16
Apr
2013

Alte Erzählung: Fräulein Eisvogel

„Quetzal! Beeilt Euch!“
Genervt zog ich meine Schuhe an und brüllte nach draußen: „Ich komme ja schon!“
Während ich mir meinen Mantel überwarf, murmelte ich: „Nicht einmal in Ruhe anziehen darf man sich.“
Nachdem ich fertig war, trat ich nach draußen und setzte meinen Hut auf. „Wir können gehen.“
Gänseblümchen trat unruhig auf der Stelle. „Wir verpassen den Anfang!“
Ich verdrehte die Augen. „Fräulein Eisvogel wird auf uns warten. Macht Euch keine Sorgen.“
Scheinbar beruhigte das meinen Nachbarn nicht. Er griff nach meiner Hand und zog mich mit zum Marktplatz, auf dem schon einige Leute versammelt waren. Vor allem Kinder waren zu sehen.
„Seht Ihr, sie ist noch nicht einmal da.“
Fräulein Eisvogel ließ sich gerne Zeit. Warum auch nicht? Hektik war schlecht für die Gesundheit.
Es wurde gerade ein kleines Podest aufgebaut und noch immer suchten einige Bürger einen geeigneten Sitzplatz. Es gab hier keine Stühle oder Bänke. Man musste auf dem Boden sitzen. Aber das war für niemanden ein Problem.
Verwundert sah ich auf, als die Bürger unruhig wurden und einige Kinder auf jemanden zeigten.
„Prinzessin Rotkehlchen will auch zuhören?“, fragte Gänseblümchen und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Person, die den Platz betrat.
Ich folgte seinem Blick und tatsächlich: die Prinzessin war hier. Warum hatte sie mir nichts davon gesagt? Ich hätte sie hierher begleiten müssen! Auf dem Weg hätte ihr jemand auflauern können. Es gab überall Diebe, Mörder und Versicherungsvertreter!
Schnell rannte ich zu Rotkehlchen und verbeugte mich. „Euer Majestät, warum wurde ich nicht darüber informiert, dass Ihr der Geschichtenerzählerin zuhören wollt? Ich hätte Euch hierher begleiten müssen.“
Die Prinzessin stemmte die Hände in die Hüfte.
„Ich bin kein kleines Kind, Fräulein Quetzal. Ich kann auch ein paar Schritte allein gehen. Danke“, sagte sie und schien ein wenig eingeschnappt.
… Ich meinte es doch nur gut.
„Außerdem war ich nicht allein. Fräulein Tovisittich hat mich begleitet, allerdings nicht in Ihrer Eigenschaft als Stadtwache.“
Ich runzelte die Stirn und entdeckte dann hinter der Prinzessin tatsächlich das werte Fräulein Tovi, das lächelnd vor mir salutierte. „Guten Tag, Frau Kommandantin.“
„Warum wurde ich hierüber nicht informiert?“, fragte ich die Soldatin.
„Ich war gerade im Schloss, als Ihre Majestät aufbrechen wollte. Da sie wusste, dass Ihr sicherlich vor Sorge sterben würdet, bat sie mich, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Es blieb somit keine Zeit, Euch zu informieren.“
Ich zog eine Schnute. „Ich verstehe. Vielen Dank, Soldatin. Das war alles für heute.“
Tovi nickte lächelnd und nahm ihren Hut ab. „Jawohl, Kommandantin.“
Die Soldatin gesellte sich zu Gänseblümchen und setzte sich neben ihn auf den Boden.
Als ich wieder zur Prinzessin sah, blickte sie mich vorwurfsvoll an. „Ihr solltet Euch nicht immer so viele Sorgen um mich machen. Vor meiner Amtszeit habt Ihr mich nicht so verhätschelt.“
Ich ließ die Schultern hängen. „Ihr wisst genau, warum ich mich sorge. Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn Euch etwas passieren würde. Außerdem ist es meine Pflicht als Leibwächterin, Euch zu beschützen.“
„Die Rolle als Leibwächter habt Ihr Euch selbst gegeben. Das wurde niemals beschlossen.“
Ich blickte zur Seite. „Ich sehe es eben als meine Berufung an, Euch zu beschützen. Nicht als Kommandantin, sondern als Eure Freundin.“
Rotkehlchen lächelte leicht. „Vielen Dank, aber ein klein wenig Freiheit würde mir sicher gut tun, meint Ihr nicht?“
Ich nickte lächelnd. „Da habt Ihr wohl recht.“
Die Prinzessin strich mir über den Arm. „Und jetzt warten wir auf Fräulein Eisvogel“, sagte sie und setzte sich auf den dreckigen Boden.
Ich biss mir auf die Unterlippe. „Eure Hoheit, ist das nicht zu… unbequem? Soll ich Euch ein Kissen holen?“
Ich erntete für diese Frage nur einen strengen Blick, der mich zum Schweigen brachte.
Ich meinte es doch wirklich nur gut…
Ich stellte mich neben unsere Herrscherin und beobachtete die Bürger um uns herum. Hoffentlich plante niemand einen Hinterhalt, oder so etwas. Die Prinzessin war hier vollkommen ungeschützt.
Rotkehlchen seufzte leise, nahm meine Hand und zog mich nach unten. „Kommandantin, Ihr seid nun für eine Weile Eures Amtes entbunden. Also setzt Euch.“
„Aber ich muss doch-„
„Das war ein Befehl, Fräulein Quetzal.“
Ich gab mich geschlagen, nahm meinen Hut ab und setzte mich neben die Prinzessin, die ihren Kopf an meine Schulter lehnte.
Ich lächelte leicht und legte einen Arm um sie. Vielleicht passierte ja wirklich nichts und ich machte mir zu viele Sorgen. Zumindest hoffte ich das.
Es dauerte noch eine Weile, dann kam Fräulein Eisvogel auf einem Kiwispucker angeritten. Einige Bürger applaudierten, als die Geschichtenerzählerin das Podest betrat. Sie war hier wirklich beliebt und das zu recht. Ihre Geschichten waren etwas ganz Besonderes.
Als Eisvogel die Prinzessin sah, verbeugte sie sich leicht. „Es freut mich sehr, dass Ihr Euch Zeit genommen habt, Eure Hoheit.“
Rotkehlchen nickte lächelnd. „Das wollte ich auf keinen Fall verpassen, Fräulein Eisvogel.“
Kaum hatte unsere seltene Besucherin mit ihrer Geschichte begonnen, klebten alle Zuhörer förmlich an ihren Lippen. Sie wusste, wie man eine Geschichte erzählen musste, um sie spannend zu machen.
Kaum hatte Fräulein Eisvogel geendet, klatschten die Bürger Beifall, einige schenkten der Reisenden sogar Blumen oder Schokolade.
Nachdem die meisten Zuhörer wieder den Platz verlassen hatten, kam Eisvogel zur Prinzessin.
„Ich hoffe, es hat Euch gefallen, Prinzessin“, sagte die Geschichtenerzählerin lächelnd.
Rotkehlchen stand auf und nickte. „Es war eine wundervolle Geschichte, Fräulein Eisvogel. Ich wünschte, Ihr würdet sie aufschreiben, damit ich sie immer wieder erleben kann.“
Die Erzählerin lachte leise und winkte ab. „Das habe ich schon oft getan, aber sobald ich die Geschichten niederschreibe, geht ein Teil des Zaubers verloren. Kein Buch der Welt kann auf dieselbe Art erzählen, wie ich es tue“, sagte sie und wandte sich dann an Tovi, die sich zusammen mit Gänseblümchen zu uns gesellte.
„Ah, das Fräulein Soldatin hat auch Zeit gefunden?“, fragte Eisvogel schmunzelnd und klopfte Tovi auf die Schulter. „Schön, Euch zu sehen.“
„Die Kommandantin hat mich freundlicherweise frei gestellt“, antwortete die Stadtwache und setzte dann ihren Hut auf. „Aber jetzt ruft die Arbeit wieder.“
Ich schüttelte den Kopf. „Heute wird nicht mehr gearbeitet.“
Eisvogel lachte leise und fragte mich: „Seid wann lässt Euer Pflichtbewusstsein so nach, Frau Kommandantin? Das sind ja ganz neue Töne.“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich bin heute noch im Dienst, Fräulein Eisvogel. Aber es scheint alles ruhig zu sein. Ich schaffe das auch allein.“ Ich setzte ebenfalls meinen Hut wieder auf.
„Das Pflichtbewusstsein wurde also durch ein gesundes Selbstbewusstsein ersetzt, ich verstehe“, meinte die Geschichtenerzählerin und kniff mir in die Wange.
„Ich hatte Eure kleinen Sticheleien geradezu vermisst“, sagte ich und schmunzelte. „Wie lange werdet Ihr diesmal bleiben?“
Eisvogel fuhr sich nachdenklich durch die türkisenen Haare. „Ich weiß es noch nicht. Vielleicht drei Tage, oder auch länger.“
Ich runzelte die Stirn. „So lange? Normalerweise bleibt Ihr höchstens zwei Tage.“
Hatte sie etwa wieder irgendetwas ausgefressen?
Sie zuckte lächelnd mit den Schultern. „Eure Begeisterung ist wirklich herzerwärmend, Frau Kommandantin.“
Ich hob eine Augenbraue. „Was ist es diesmal? Diebstahl, Schulden oder habt Ihr Euch schon wieder mit irgendwelchen Banden angelegt?“, wollte ich wissen. Eisvogel war ein netter Mensch, aber sie pflegte einen beunruhigenden Lebensstil.
Prinzessin Rotkehlchen griff nach meiner Hand. „Ihr seid noch immer Eures Amtes enthoben, Fräulein Quetzal. Bitte vergesst das nicht“, sagte sie mit einer gewissen Strenge.
Ich seufzte leise und ließ die Schultern hängen. „Jawohl, Euer Majestät.“
Die Geschichtenerzählerin grinste breit. „Gänseblümchen hat Recht. Die Prinzessin hat Euch gut unter Kontrolle.“
Ich blickte zu meinem Nachbarn auf. „Ihr redet über mich?“
Gänseblümchen hob beschwichtigend die Hände. „Wir reden über die verschiedensten Dinge. Ihr seid nun einmal auch ein Thema“, erklärte der Oger.
Gerade wollte ich etwas erwidern, als ich die Sirene hörte. Großartig, ein Einsatz. Soviel zu ‚heute ist es ruhig‘.
„Gänseblümchen, Tovi! Auf Eure Posten!“, ordnete ich an und wandte mich an die Prinzessin. „Ich bringe Euch ins Schloss zurück.“
Rotkehlchen schüttelte den Kopf. „Ich kann das auch allein. Kümmert Euch lieber um den Einsatz. Vielleicht ist es ein Notfall.“
Ich biss mir auf die Unterlippe. Die Prinzessin während eines Alarms allein lassen? Das war ausgesprochen gefährlich. Ich wusste noch nicht einmal, warum die Sirene ertönt war. Vielleicht waren Räuber unterwegs.
„Apfelkuchen wird Euch zurück bringen“, schlug ich deshalb vor, nahm meine Pfeife und rief damit nach meinem Einhorn, das kurze Zeit später auf dem Marktplatz landete.
„Aber ich habe Höhenangst, Quetzal“, sagte die Prinzessin, doch ich zuckte nur mit den Schultern.
„Apfelkuchen wird tief fliegen, keine Sorge“, versicherte ich und half Rotkehlchen beim Aufsteigen.
„Wie Ihr meint…“, sagte die Prinzessin wenig überzeugt und flog dann auf meinem Haustier davon.
Gerade wollte ich mich auf den Weg zur Stadtmitte machen, als mir Löwenzahn und Nachtfalter entgegen kamen.
„Frau Kommandantin, eine Gruppe von Schuldeneintreibern ist unterwegs. Und sie scheinen sehr aggressiv zu sein“, erklärte mir der Faun hastig und salutierte vor mir. „Was sollen wir tun?“
Ich runzelte die Stirn. „Schuldeneintreiber…?“, fragte ich langsam und mein Blick wanderte zu Fräulein Eisvogel, die sich gerade aus dem Staub machen wollte.
„Keinen Schritt weiter!“, sagte ich und hielt die Geschichtenerzählerin am Handgelenk fest. „Ich nehme an, die Schuldeneintreiber sind wegen Euch hier.“
„Ich habe keine Schulden“, beteuerte sie. „Ich habe sie alle abbezahlt.“
„Wie?“
„Durch Kartenspiele. Ich habe mit meinen Gewinnen bezahlt“, sagte Eisvogel und zuckte mit den Schultern. „Es kann natürlich sein, dass sie sauer sind, weil ich so oft gewonnen habe. Sie sind schlechte Verlierer.“
„Es könnte natürlich auch sein, dass Ihr nicht immer ehrlich gespielt habt“, mutmaßte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich wusste, dass Eisvogel ihren Lebensunterhalt auf äußerst fragwürdige Art und Weise verdiente. Sie bewegte sich nicht selten am Rand der Kriminalität. Und das, obwohl sie früher auch zur Stadtwache gehört hatte. Einzig für ihre ‚Freiheit‘ hatte sie ihr Leben hier aufgegeben.
Ich seufzte schwer. „Löwenzahn, Nachtfalter! Geht schon einmal zur Stadtmitte. Die anderen sind bereits dort. Ich komme gleich nach. Sollten die Schuldeneintreiber gewalttätig werden, haltet euch nicht zurück.“
„Jawohl, Kommandantin“, sagten die beiden Stadtwachen und machten sich auf den Weg.
„Und ihr werdet ebenfalls mit uns kämpfen, wenn es sein muss, Fräulein Eisvogel.“
Die Geschichtenerzählerin hob abwehrend die Hände. „Mit Kämpfen habe ich nichts mehr am Hut. Ich bin aus guten Grund aus der Stadtwache ausgetreten“, sagte sie, doch ich dudelte jetzt keinen Widerspruch.
„Dieser Kampf geht im Grunde nur Euch etwas an. Wir helfen im Namen der Stadtwache… und weil wir Freunde sind.“
Eisvogel lächelte matt. „Schon verstanden. Wie lauten die Befehle, Frau Kommandantin?“
„Wir folgen den anderen und versuchen die Sache friedlich zu lösen. Falls das nicht möglich ist, müssen wir zu härteren Mitteln greifen. Ich hoffe, Ihr könnt noch eine Waffe halten, Soldatin Eisvogel.“
Ich schmunzelte leicht.
Gespielt empört stemmte die ehemalige Soldatin die Hände in die Hüfte.
„Selbstverständlich. So etwas verlernt man nicht. Und vergesst bitte nicht, dass ich die beste Dolchkämpferin weit und breit war“, sagte sie und grinste dann. „Nur wegen der Geschichten habe ich die Kampfkunst in den letzten Jahren etwas außer Acht gelassen.“
„Dann habt Ihr nun die Möglichkeit, Eure Kenntnisse etwas aufzufrischen“, meinte ich und lachte leise. „Und neue Ideen für Eure Geschichten habt Ihr dann sicherlich auch.“
Als wir bei der Stadtmitte ankamen, schien die Sache mit den Schuldeneintreibern bereits geklärt worden zu sein. Gänseblümchen hielt drei von ihnen in Schach und die anderen kümmerten sich um den Rest der Bande.
„Das hat sich wohl erledigt“, meinte Eisvogel und zuckte mit den Schultern. „Schade, ich hätte gerne ein wenig mitgemischt.“
Ich verschränkte die Arme. „Vor ein paar Minuten wolltet Ihr Euch noch aus dem Staub machen“, erwiderte ich und hob eine Augenbraue. „Außerdem ist die Sache noch nicht vorbei. Ich nehme an, die Herren wollen ein paar Worte mit Euch wechseln.“
Ich blickte zu den Schuldeneintreibern, die ziemlich mitgenommen aussahen.
„Da ist der Saufvogel ja!“, keifte einer von ihnen und versuchte sich aus Gänseblümchens Griff zu befreien. Aber natürlich war das sinnlos.
„Es ging wieder um den Wein, habe ich Recht?“, fragte ich.
„Ich habe ihn doch bezahlt. Ich weiß nicht, weshalb sich die Kerle so aufregen.“
Ich verdrehte die Augen. „In Euren Geschichten mag ein Leben, wir Ihr es führt, durchaus spannend sein, aber hier bei uns sieht es ein wenig anders aus.“
Eisvogel lachte leise. „Zu Aaskrähes Zeiten war mein Lebensstil kein Problem.“
Ich erwiderte nichts darauf, seufzte leise und ging dann zu Gänseblümchen und seinen Gefangenen.
„Wie viel schuldet sie Euch?“, wollte ich wissen und deutete auf Fräulein Eisvogel.
„Dreiundzwanzig Goldstücke!“
Ungläubig sah ich zu Eisvogel. „Beim Erbauer, so viel Wein kann doch kein normaler Mensch trinken!“
Die Geschichtenerzählerin winkte ab. „Ich habe Übung. Außerdem habe ich nicht allein getrunken. Ich habe ein paar Freunde eingeladen.“
„Dann habt Ihr eindeutig zu viele Freunde“, murrte ich und wandte mich wieder an die Schuldeneintreiber. „Normalerweise geht mich diese Sache nichts an, aber Ihr habt die öffentliche Sicherheit gefährdet. Ich müsste von Euch eine Strafe von dreiundzwanzig Goldstücken verlangen. Ich würde sagen, alles ist in bester Ordnung, wenn Fräulein Eisvogel diese Strafe übernimmt. Ihr könnt gehen, sie steht nicht mehr in Eurer Schuld und wir haben eine ruhige Stadt.“
Der Schuldeneintreiber knurrte missgelaunt. Er wusste, dass ich versuchte, die Geschichtenerzählerin zu schützen.
„In Ordnung“, stimmte der Anführer der Bande dann schließlich widerwillig zu und ich gab den Stadtwachen ein Zeichen, damit sie die Schuldeintreiber losließen. Sie warfen Fräulein Eisvogel noch beunruhigende Blicke zu, dann verschwanden sie.
Ich drehte mich zu der ehemaligen Soldatin um. „Ihr bereitet mir mehr Kopfschmerzen, als eine Truppe Kreischbären.“
Sie klopfte mir auf die Schulter und lachte. „Euer Leben wäre ohne mich nur halb so interessant. Ihr würdet Euch schrecklich langweilen. Ich bringe Eurem Leben einfach mehr Farbe.“
Ich lächelte säuerlich. „Es widerstrebt mir zwar, aber ich muss Euch wohl Recht geben. Trotz allem hat meine Großzügigkeit ihre Grenzen. Die dreiundzwanzig Goldstücke werdet Ihr abbezahlen.“
„In Ordnung, in Ordnung“, sagte Fräulein Eisvogel gut gelaunt. „Ich werde einfach ein paar Geschichten erzählen. Da fallen mir sicher ein paar ein“, meinte sie lächelnd.
Ich schüttelte den Kopf. „Keine Geschichten. Ihr werdet als Stadtwache arbeiten. Dreiundzwanzig Einsätze, dann seid Ihr von Euer Schuld befreit.“
Die Geschichtenerzählerin trat einen Schritt zurück. „Auf keinen Fall! Dieses Leben liegt hinter mir. Befehle entgegenzunehmen ist nicht meine Stärke. Und ein ehrenhaftes Vorbild zu sein, liegt nicht in meiner Natur.“
Ich verengte die Augen. „Das war kein Vorschlag, sondern ein Befehl, Soldatin Eisvogel. In den letzten Jahren habe ich jeglichen Haftbefehl gegen Euch zerrissen, Schuldeneintreiber besänftigt und Euch allerlei Banden vom Hals gehalten. Nun wird es an der Zeit, Euch dafür zu revanchieren, meint Ihr nicht auch?“
Eisvogel suchte nach einer weiteren Ausrede, fand aber keine. Sie ließ die Schultern hängen und meinte: „Jawohl, Frau Kommandantin.“
Ich lächelte leicht. „Schon viel besser. Ich hoffe, Ihr wisst noch, wo Euer Wachposten ist.“
Die Geschichtenerzählerin grinste breit. „Es macht Euch Spaß, überlegen zu sein, nicht wahr?“ Sie lachte. „Ich kann das verstehen. Wenn Ihr bei der Prinzessin seid, habt Ihr ja gar nichts zu sagen. Es muss gut tun, zumindest während der Dienstzeit die Hosen anzuhaben. Bei der Arbeit die Heldin, im Bett die brave Dienerin, richtig?“
Ich wurde rot und räusperte mich. „Während der Dienstzeit sind Privatgespräche nicht erlaubt, Soldatin. Geht jetzt auf Euren Posten.“
Eisvogel kicherte und klopfte mir auf die Schulter, bevor sie ging. „Es ist schön, wieder hier zu sein.“
Ich sah ihr nach und lächelte dann leicht. „Ohne Euch würde hier wirklich etwas fehlen.“

Alte Erzählung: Der Drache

- eine alte Erzählung zu Zeiten von Prinzessin Rotkehlchen -

„Was meinst du? Was könnte da drin sein?“
Neugierig beugte ich mich über das riesige Ei, das ich gerade gefunden hatte. Das musste ein wirklich großer Vogel gelegt haben.
„Vielleicht ein Melonenspucker“, meinte Apfelkuchen und ich nickte leicht.
„Da könntest du recht haben. Das wäre wirklich großartig. Wir haben ja nur noch wenige davon.“
Vorsichtig versuchte ich das Ei anzuheben, doch es war viel zu schwer. So ging das nicht.
Ich wandte mich an mein Einhorn. „Apfelkuchen, hol' bitte Gänseblümchen. Das ist eindeutig ein Job für ihn.“
Mein Pferd nickte und schwang sich sofort in die Lüfte. Eine Weile sah ich ihm nach, dann betrachtete ich wieder das Ei.
„Vielleicht ist da ein Ogerbaby drin! Brüte es lieber nicht aus!“, wimmerte ein Kopf von Himbeertorte.
„Es könnte auch ein Pony sein. Lass es schlüpfen!“, meldete sich der zweite.
„Wenn es ein Elefant ist, will ich sein Freund sein!“, rief der dritte.
Ich runzelte die Stirn und blickte zu meinem Pony auf. „Nichts davon schlüpft aus einem Ei, Himbeertorte. Es muss ein Vogel sein.“
Nachdenklich setzte ich mich ins Zitronengras und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was es auch ist: Es scheint ein großes Tier zu sein.“
Ich lächelte leicht, als ich Gänseblümchens Gestampfe hörte.
Freudig winkte ich dem Oger, der kurze Zeit später neben mir stand.
„Hallo, Kommandantin. Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte“, sagte er und schnappte nach Luft. „Das ist das Ei?“
Ich nickte und stand wieder auf. „Ja, ein ziemlicher Brocken, was?“
Der Oger umkreiste das Ei ein paar Mal und sagte dann: „Und was ist da drin?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Das wüsste ich auch gerne. Ich würde sagen, wir bringen es zur Prinzessin. Sie weiß vielleicht, was es ist.“
 
Im Schloss angekommen, brachten wir das Ei sofort zu Prinzessin Rotkehlchen, die gerade im Audienzsaal saß und sich die Bitten der Bürger anhörte. Als der letzte von ihnen den Saal verließ, verbeugte ich mich vor der Prinzessin.
„Euer Majestät, ich habe im Zitronenwald ein Ei gefunden. Leider kann ich nicht sagen, was daraus schlüpfen wird. Wisst Ihr vielleicht mehr?“
Gänseblümchen legte das Ei vor dem Thron ab und unsere Herrscherin stand auf, um es eingehend zu betrachten.
„Ich habe noch nie ein Ei in dieser Größe gesehen. Könnte es vielleicht ein Bambusspringer sein?“, überlegte die Prinzessin laut und berührte das Ei. Dieses begann kurz darauf zu wackeln und bekam einen Riss.
Erschrocken wich Rotkehlchen zurück. „Es schlüpft.“
Aufmerksam beobachtete ich das Geschehen. Hoffentlich war in dem Ei nichts Gefährliches. Vorsichtshalber stellte ich mich vor die Prinzessin, um sie im Ernstfall schützen zu können.
Es dauerte eine Weile, dann streckte das Wesen seinen Kopf aus dem Ei.
Ich verengte die Augen und griff nach meinem Zauberstab. „Ein Drache.“
Die Prinzessin klatschte begeistert in die Hände und schob mich zur Seite. „Ein Drachenbaby! Wie wundervoll. Seht nur, es ist ein Rotkehlendrache. So einen wollte ich schon immer mal sehen.“
Glücklich umarmte Rotkehlchen das Baby, das einen vergnügten Laut von sich gab.
„A-aber Prinzessin… Das ist ein Drache. Er könnte gefährlich sein. Und ein Rotkehlendrache kann schon in jungen Jahren Feuer speien… Nicht zu vergessen, dass sie ausgesprochen scharfe Zähne haben. Und vielleicht kommt seine Mutter irgendwann…“, zählte ich meine Gedanken zu diesem Tier auf, doch natürlich hörte mir unsere Herrscherin nicht zu. Sie war einfach zu begeistert von dem Drachen.
„Ich werde ihn behalten“, verkündete Rotkehlchen und streichelte das Tier.
Pah, der sollte es sich nur nicht zu gemütlich im Schoß der Prinzessin machen! Da blieb er gewiss nicht lange! Das war mein Platz!
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und betrachtete das Wesen argwöhnisch. Der brauchte nur nicht glauben, dass ich auf seine großen Kulleraugen hereinfiel. Nicht mit mir, nein!
„Mama“, brabbelte das Drachenbaby und leckte der Prinzessin das Gesicht ab. Widerlich, wie sich der einschleimte.
„Er hält mich für seine Mama. Ist das nicht niedlich?“
„Ja, großartig…“, stimmte ich wenig begeistert zu.
Gänseblümchen kicherte. „Quetzal ist eifersüchtig.“
Ich zog einen Schmollmund. „Das habe ich doch nicht nötig.“
Der Oger kniff mir in die Wange. „Ja, das sollte man meinen.“
Tse, ich und eifersüchtig! Auf einen Drachen! Ganz bestimmt nicht.
Prinzessin Rotkehlchen lachte leise und griff nach meiner Hand. „Zieht bitte nicht so ein Gesicht, Quetzal. Ihr wisst, dass Ihr für mich das Allerwichtigste seid. Auch wenn ich sagen muss, dass Euch diese Eifersucht ganz gut zu Gesicht steht.“
Ich wurde rot und blickte zur Seite. „… Vielen Dank, euer Majestät“, murmelte ich.
„Seid bitte nicht beleidigt. Ich hoffe, ich kann Euch mit einem kleinen Geschenk wieder etwas aufheitern.“
Ich sah wieder zur Prinzessin. „Ein Geschenk?“
Sie nickte lächelnd und drückte mir einen kleinen Karton in die Hand. „Eine neue Uniform, Frau Kommandantin der Heldentruppe.“
Überrascht öffnete ich das Paket und betrachtete die Kleidung. „Das ist wunderschön“, sagte ich und lächelte leicht.
„Ab morgen wird dies Eure Dienstkleidung sein, Frau Kommandantin. Probiert sie am besten noch heute an.“
Ich salutierte schmunzelnd. „Jawohl, Euer Majestät.“
Glücklich presste ich den Karton mit der Uniform an mich, verbeugte mich vor der Prinzessin und ging dann zur Tür. „Ich werde mich nun wieder an die Arbeit machen. Auf Wiedersehen, Prinzessin Rotkehlchen.“
„Auf Wiedersehen, Fräulein Quetzal.“
Gänseblümchen winkte der Prinzessin noch kurz und folgte mir dann nach draußen.
„Sie hat Euch gut unter Kontrolle“, meinte der Oger, als wir das Schloss verlassen hatten.
„Wie meint Ihr das?“, wollte ich wissen und strich über die wunderschöne Uniform.
„Ihr habt die Sache mit dem Drachenbaby vollkommen vergessen.“
Ich blieb abrupt stehen. „Beim Erbauer, der Drache!“
Seufzend ließ ich die Schultern hängen. „Sie hat mich reingelegt…“
Gänseblümchen kicherte wieder. „Sie ist einfach zu klug für Euch, Frau Kommandantin.“
Ich lachte leise. „Ja, das ist sie.“

Märchen: Rotkehlchen und Aaskrähe

- Ein altes Märchen aus dem Namenlosen Königreich -

Es war einmal eine Aaskrähe, die lebte in einem kleinen Wald, abseits von Gut und Böse. Sie war fast immer al­lein und alle Besucher ver­schwanden so schnell, wie sie gekommen waren. Sie wusste, dass sie anders war und weil sie nicht wie alle anderen sein konnte, ver­stand sie niemand.
Da die Krähe sich sehr einsam fühlte, wollte sie ihr Zuhause verlassen, um nach jemandem zu suchen, mit dem sie glücklich sein konnte.
‚Ein wenig Angst habe ich schon‘, dachte die Aaskrähe, doch als sie am Himmel ein paar Vögel fliegen sah, fasste sie Mut und schwang sich in die Lüfte.
„Guten Tag, ich bin die Aaskrähe“, stellte sich die Vogeldame vor und flog der Gruppe von Amseln hinterher.
Eine von ihnen musterte die Aaskrähe lange Zeit. „Was willst du hier? Du bist keine von uns“, meinte die Amsel.
„Darf ich trotzdem bei euch bleiben?“, wollte die Krähe wissen, die Schwie­rigkeiten hatte, den anderen Vögeln zu folgen. Es schien, als bemühten sie sich, jetzt besonders schnell zu fliegen.
„Du solltest andere Aaskrähen suchen. Zu denen gehörst du nämlich“, er­klärte eine weitere Amsel und nahm auf einem Baum platz.
Die Aaskrähe gesellte sich zu ihr und ließ den Kopf hängen. „Ich passe nicht zu ihnen. Sie verstehen mich nicht“, sagte sie traurig und horchte auf, als sie einen wunderschönen Gesang hörte.
„Wer singt da?“, fragte die Krähe und sah sich um.
Die Amsel auf dem Baum schwieg und lauschte ebenfalls. „Das ist das Rot­kehlchen. Es singt oft in dieser Gegend, manchmal zusammen mit ande­ren, meistens aber allein.“
„Wer so schön singen kann, hat doch aber sicher viele Freunde“, meinte die Aaskrähe und schloss die Augen. So einen schönen Gesang hatte sie vorher noch nie gehört. Sie wollte das Rotkehlchen gerne kennenlernen.
Die Amsel aber schüttelte den Kopf. „Sie hat Angst. Es ist schwer, mit ihr zu reden.“
„Warum hat sie Angst?“
„Sie ist eben so. Ganz anders, als andere ihrer Art “, erklärte die Amsel.
Lange schwieg die Aaskrähe und dachte nach. ‚Wie einsam das sein muss. Sicherlich ist auch das Rotkehlchen sehr traurig‘, überlegte sie und ihr wurde schwer ums Herz. ‚Ich will es suchen.‘
„Wo wohnt das Rotkehlchen?“, wollte die Krähe wissen und breitete die Flügel aus.
„Dort, wo man allein sein kann, obwohl man es nicht sein will“, antwortete die Amsel und sah zu, wie der andere Vogel davon flog.

Der Gesang war verstummt und so fiel es der Aaskrähe schwer, das Rot­kehlchen zu finden. Mehrere Tage lang suchte sie vergebens, blieb oft still, in der Hoffnung, den wunderschönen Gesang wieder zu hören. Doch nie­mand sang.
‚Vielleicht will sie nicht gefunden werden‘, dachte die Krähe betrübt und landete in der Nähe eines kleinen Dorfes auf einem Baum.
Die Krähe hatte selten mit Menschen zu tun gehabt. Sie waren ihr ein we­nig unheimlich. Sie waren so groß und schon oft hatte sie gehört, dass eini­ge von ihnen auch Jagd auf Vögel machten. Aber auch wusste sie, dass es liebe Menschen gab, die Futter großzügig auf den Boden warfen.
‚Wie es wohl wäre, ein Mensch zu sein?‘, fragte sich die Aaskrähe und be­obachtete ein paar der großen Geschöpfe, die in dem Dorf lebten. ‚Ob ich wohl Freunde finden könnte?‘
Während sie ihren Gedanken nachhing, näherte sich zögerlich ein weiterer Vogel dem Dorf. Es war eine kleine Vogeldame,  mit wunderschöner oran­geroter Kehle. Neugierig, aber auch ein wenig ängstlich, beobachtete sie die Menschen aus dem Dorf. Kurz verharrte sie im Schutz eines kleinen Baumes, dann begann sie zu singen.
Als die Aaskrähe das Lied hörte, schlug ihr Herz schneller. Das war das Rotkehlchen!
Vorsichtig näherte sie sich dem Baum, in dem die kleine Vogeldame saß und versuchte einen Blick auf sie zu erhaschen.
Kaum hatte sie das wundervoll gefärbte rote Kehlchen entdeckt, war es um die Krähe geschehen.
‚Warum muss so ein wundervoller Vogel ganz allein sein?‘, fragte sie sich und betrachtete das Rotkehlchen.
Gerade wollte die Aaskrähe den anderen Vogel ansprechen, als ein junger Mensch langsam auf den Baum zuging, in dem die beiden Vögel saßen.
Das Rotkehlchen schien den Mann zu kennen, denn nun flog es auf die Erde herab und näherte sich dem Menschen. Die beiden waren wohl Freunde. Zumindest sah es so aus.
„Da bist du ja wieder“, sagte der Mensch und warf ein paar Brotstückchen auf den Boden, direkt vor das Rotkehlchen. Die Vogeldame fraß genüsslich das Futter und sah immer wieder zu dem Mann auf. Sie war wohl doch nicht allein. Sie hatte Freunde. Es waren nur keine Vögel.
Der Aaskrähe wurde etwas flau im Magen. Sie hatte gehofft, jemanden zu treffen, der ebenso einsam war wie sie. Doch andererseits freute sie sich für das rote Kehlchen. Keinem auf der Welt wünschte die Krähe, allein sein zu müssen. Sie wusste, wie schlimm das war.
Lange Zeit betrachtete die Aaskrähe die andere Vogeldame. ‚Wie seltsam‘, dachte sie. ‚Wenn ich das Rotkehlchen ansehe, bin ich so glücklich und mein Herz pocht so stark. Was mag das nur sein?‘
Während sie überlegte, gesellte sich ein weiterer Vogel zu ihr. Der Vogel­herr hatte gelbe Federn, aber ein Teil des Kopfes war schwarz gefärbt. Es sah aus, als würde er eine Kapuze tragen.
„Guten Tag, werte Dame. Was für ein wunderschöner Tag, nicht wahr?“, flötete der Kapuzenwaldsänger.
Widerwillig wandte die Krähe den Blick von der anderen Vogeldame ab und antwortete: „Ja, herrliches Wetter.“
Der Neuankömmling war ein fröhlicher Geselle und die Aaskrähe mochte solche Vögel ganz besonders gern. Leider blieben solche Besucher immer nicht lange, sondern zogen ständig weiter.
Die Krähe und der Kapuzenwaldsänger unterhielten sich lange und so merkte die Vogeldame viel zu spät, dass das Rotkehlchen bereits davon ge­flogen war.
„Oh nein, ich muss schnell weg und es suchen!“, rief die Aaskrähe und flat­terte aufgeregt mit den Flügeln.
Der Kapuzenwaldsänger fragte sie: „Was suchst du?“
„Das Rotkehlchen“, sprach die Krähe. „Das suche ich schon ewig.“
Schnell sah sie sich um. „Ich hatte es schon gefunden, doch nun habe ich es wieder aus den Augen verloren.“
„Das einsame Rotkehlchen?“, hakte der Vogelherr nach. „Das findest du oft bei der Vogeltränke. Dort badet es gerne. Wenn nicht jetzt, dann zu ei­ner anderen Zeit.“
Die Aaskrähe bedankte sich überschwänglich für diesen Hinweis und flog davon.

So schnell sie konnte, flog die Krähe zur Vogeltränke. Und tatsächlich, das Rotkehlchen war dort und badete ganz allein.
Aus einiger Entfernung betrachtete die Aaskrähe den anderen Vogel. ‚Wie hübsch es ist‘, dachte sie sich. ‚Ich würde so gerne mit ihm reden.‘
Doch da kamen ihr Zweifel. ‚Was ist, wenn es mich nicht mag?‘
Weil sich die Aaskrähe nicht traute, blieb sie in einem Busch sitzen. Das rote Kehlchen währenddes­sen plantschte weiter vergnügt im Wasser und beobachtete die Menschen, die ab und zu an ihr vorbei gingen. Sie schien diese Geschöpfe zu mögen.
Als die kleine Vogeldame dann versuchte, sich zu trocknen, fasste sich die Aaskrähe ein Herz und flog zu ihr herüber.
Erschrocken zuckte das Rotkehlchen zusammen. „Wer bist du?“, fragte es leise.
„Ich bin die Aaskrähe“, antwortete der andere Vogel. „Ich habe nach dir gesucht.“
„Nach mir?“
Die Krähe nickte. „Ja, denn ich hörte, du bist oft allein, so wie ich. Ich dachte mir, dass wir zusammen nicht mehr so allein sind.“
Das rote Kehlchen schwieg eine Weile. „Das stimmt sicherlich“, meinte sie, doch irgendwie klang sie traurig.
„Was bedrückt dich?“, fragte die Aaskrähe besorgt.
Die kleine Vogeldame wandte sich ab und betrachtete eine Gruppe von Menschen. „Du wirst mich auslachen, wenn ich dir davon erzähle.“
„Gewiss nicht!“, versicherte die Krähe.
Das Rotkehlchen machte eine lange Pause, dann sagte es: „Ich wäre so ger­ne ein Mensch, dann könnte ich bei dem Jungen leben, den ich so mag.“
Die Aaskrähe spürte einen Stich in der Brust. Der wunderschöne Vogel wollte mit Menschen befreundet sein, nicht mit ihr.
Langsam näherte sie sich der kleineren Vogeldame. „Wenn ich dir helfen könnte, würde ich es sofort tun“, sagte sie.
„Wie nett von dir. Weißt du, es gibt einen Weg, aber der ist sehr gefährlich“, erklärte das Rotkehlchen betrübt und sah nun zur Krähe auf.
‚Was für schöne Augen es hat‘, dachte die Aaskrähe. „Was ist das für ein Weg?“
„Kennst du den Kolkraben? Er ist ein besonderer Vogel, denn er kann sich in einen Menschen verwandeln.“
Die Aaskrähe machte große Augen. So etwas hatte sie noch nie gehört.
„Er kann auch andere Vögel in Menschen verwandeln, aber ich habe Angst, ihn darum zu bitten. Die Blaumeise hat mir erzählt, dass der Kol­krabe so kleine Vögel wie mich frisst, wenn er gerade Hunger hat“, berich­tete das rote Kehlchen und schauderte.
„Ich werde den Kolkraben suchen und darum bitten, dich zu verwandeln“, sagte die Krähe sofort. Sie wollte dem Rotkehlchen helfen. Angst hatte die Aaskrähe nicht.
Nachdem die kleinere Vogeldame erzählt hatte, wo der Kolkrabe lebte, machte sich die Krähe auch schon auf den Weg.

Die Nacht brach herein, als die Aaskrähe in dem Wald ankam, von dem das Rotkehlchen erzählt hatte. Hier sollte der Kolkrabe leben.
Als die Vogeldame die kahlen, toten Äste der Bäume entdeckte, wurde ihr ganz anders.
‚Was für ein fürchterlicher Ort das hier ist‘, überlegte sie sich. Als sie aber wieder an ihre Freundin mit dem roten Kehlchen dachte, vergaß sie ihre Angst und begab sich auf die Suche nach dem Kolkraben.
Die Krähe fühlte sich in dieser Gegend unwohl. An solch einem Ort wollte sie niemals leben. Seltsame Vögel flogen hier herum. Groß wie Riesen, mit Halskrausen und nacktem Kopf. Sie kreisten am Himmel und schienen nach Fressen zu suchen.
‚Hoffentlich schmecken ihnen andere Vögel nicht‘, dachte die Aaskrähe, während sie durch den kahlen Wald flog.
Irgendwann erreichte der Vogel eine einsame Holzhütte am Rande des Waldes.
‚Wer hier wohl wohnt?‘, fragte sich die Aaskrähe und setzte sich auf ein Fensterbrett.
Das Fenster war kaputt und die Vogeldame musste vorsichtig sein, da es hier etliche Scherben gab.
In dem Haus entdeckte sie einen Menschen. Er hatte schwarze, strubbelige Haare, in denen einige Spinnweben hingen. Besonders auffällig an ihm war der Mantel, den er trug. Er bestand aus unzählig vielen schwarzen Fe­dern.
„Der Kolkrabe“, piepste die Krähe und der Mensch wurde auf sie aufmerk­sam. Er grinste über das ganze Gesicht, näherte sich dem Fenster und beugte sich hinaus. Seine Hände stemmte er auf das Fensterbrett, direkt auf die Scherben. Aber das schien ihm nichts auszumachen.
Die Aaskrähe schauderte, konnte sich vor lauter Angst aber nicht von der Stelle bewegen und starrte den Menschen an.
„Ein Herz voller Sehnsucht. Ich kann es fühlen. Du willst etwas von mir. Sicherlich kann ich es dir geben“, sprach der Kolkrabe in Menschengestalt.
Die Vogeldame nickte leicht. „Eine Freundin von mir hat erzählt, dass du andere Vögel in Menschen verwandeln kannst.“
„Ja, das kann ich. Du benötigst also meine Dienste?“
Der Kolkrabe fuhr sich durch das dunkle Haar, aus dem eine kleine Spinne kroch.
Der Aaskrähe wurde flau im Magen und sie wandte den Blick ab.
„Nicht ich, meine Freundin. Sie möchte so gerne ein Mensch werden“, ant­wortete sie.
Der Rabe lachte laut und stupste die Krähe grob an. „Warum fragt sie dann nicht selbst, das Vögelchen?“
Kurz zögerte die Vogeldame mit ihrer Antwort. „Sie hat Angst vor dir. Die Blaumeise hat ihr erzählt, dass du kleine Vögel frisst.“
Wieder lachte der Kolkrabe. „Nur bei Vollmond und wenn es regnet.“

Der Aaskrähe war dieser Geselle nicht geheuer. Sie verstand, warum die anderen Angst vor ihm hatten.
„Kannst du ihr helfen?“, wollte sie wissen.
Der Mensch nickte und grinste noch breiter. „Selbstverständlich. Aber das kostet etwas.“
„Ich werde den Preis zahlen“, antwortete die Krähe sofort. Sie wollte alles tun, damit das Rotkehlchen glücklich werden konnte. Sie wollte nicht, dass der kleine Vogel traurig sein musste.
Zufrieden lächelte der Rabe und hüllte sich in seinen Mantel ein.
„Du musst mir Federn bringen.“
„Welche Federn?“, wollte die Vogeldame wissen.
Kurz verschwand der Mensch in einem anderen Zimmer und kehrte mit einem alten Buch zurück, das er aufschlug.
„Die Feder eines unglücklichen Vogels. Eine rote Feder. Die Feder eines verliebten Vogels. Die Feder eines einsamen Vogels. Eine schwarze Feder. Die Feder eines toten Vogels“, las der Kolkrabe laut vor.
Die Aaskrähe überlegte eine Weile. „Ich bin unglücklich. Du kannst meine Feder haben“, sagte sie und streckte einen Flügel aus.
Sofort riss der Rabe eine Feder aus und betrachtete sie eingehend. „Welch Unglück dir beschert ist, kleines Vögelchen. Es wiegt so schwer, wie herrlich. Wie kommt es, dass du noch fliegen kannst, wo du doch so eine Last zu tragen hast?“
Gehässig lachte der Vogel in Menschengestalt.
Die Aaskrähe war wütend. Der Rabe machte sich lustig über sie. Nun wusste sie wirklich, warum ihn scheinbar niemand mochte. Er war böse.
„Nun such mir eine rote Feder“, forderte der Kolkrabe und legte die Feder der Krähe in sein Buch hinein. „Und beeil‘ dich. Es ist bald Vollmond und ich habe Hunger.“
Angsterfüllt und mit Wut im Bauch flog die Vogeldame davon. Hinter sich hörte sie noch das grausige Lachen des Kolkraben.

Das Rotkehlchen schauerte, als die Aaskrähe von ihrer Begegnung mit dem Kolkraben erzählte.
„Ich wäre sicherlich vor Angst gestorben“, meinte sie und sah zur größeren Vogeldame auf. „Vielen Dank, dass du zu ihm geflogen bist.“
Der Krähe wurde warm ums Herz. Sie freute sich darüber, dass sich das rote Kehlchen bei ihr bedankte. Doch noch hatte die Aaskrähe den Wunsch ihrer Freundin nicht erfüllt.
„Ich soll ihm eine rote Feder bringen“, sagte sie und das Rotkehlchen nick­te.
„Nimm eine von meinen Federn.“
Die kleine Vogeldame plusterte ihr Gefieder auf und streckte die Brust her­aus.
Vorsichtig zog die Aaskrähe eine der wunderschönen roten Federn heraus.
‚Hoffentlich habe ich ihr nicht weh getan‘, dachte die Krähe, sah das Rot­kehlchen noch kurz an und flog dann wieder zurück zum Kolkraben.

Der Vogel in Menschengestalt nahm zufrieden lächelnd die rote Feder des Rotkehlchens entgegen.
„Gut, gut. Kleines Vögelchen, du bist fleißig“, lobte der Kolkrabe und stupste die Aaskrähe an. „Als nächstes brauche ich die Feder eines verlieb­ten Vogels.“
Wortlos streckte die Krähe ihren Flügel aus und wandte verlegen den Blick ab.
Der Rabe lachte laut. „Wie dumm du bist. Alles willst du für sie geben, nur um dann doch festzustellen, dass Liebe nichts weiter ist als eine Illusion. Ein Traum, den Dummköpfe leben, weil sie so große Angst vor der Ein­samkeit und der Wirklichkeit haben.“
Grinsend riss er der Vogeldame eine Feder aus, die er in sein Buch legte.
Die Aaskrähe wurde wieder wütend. Dieser komische Vogel musste sich nicht wundern, dass alle Angst vor ihm hatten!
„Und nun die Feder eines einsamen Vogels.“
Ein weiteres Mal streckte die Krähe ihren Flügel aus.
Gehässig lachte der Rabe und riss wieder eine der Federn aus. „Liebe muss ein schrecklicher Fluch sein“, sagte er.
Der Kolkrabe grinste die Aaskrähe an, als er nach der nächsten Feder frag­te. „Eine schwarze Feder bitte.“
Kurz zögerte die Krähe, doch dann hielt sie ihrem Gegenüber erneut ihren Flügel hin. Nachdem der Vogel in Menschengestalt auch diese Feder ausgerissen hatte, lachte er schallend. „Bald bist du ein ganz nacktes Vögelchen.“
Der Vogeldame war elend zumute. Der Kolkrabe war nicht sacht mit ihr umgegangen, als er die Federn entfernt hatte und etwas traurig betrachtete sie die kahlen Stellen in ihrem Gefieder. 'Ich mache es für das Rotkehl­chen', dachte sie dann aber wieder.
Der Rabe beugte sich zur Aaskrähe vor. „Zuletzt brauche ich die Feder ei­nes toten Vogels“, sagte er leise und grinste bösartig. „Was ist damit? Bist du selbst dazu bereit, dummes Vögelchen? Oder muss ein anderer dafür dran glauben?“
Die Krähe schüttelte schnell den Kopf. „Andere werden nicht deswegen sterben“, sagte sie sofort. So etwas wollte sie niemals tun!
„Gut, gut. Aber was dann, kleines Vögelchen?“, fragte der Kolkrabe grin­send. „Ist dir diese Liebe so viel wert, dass du für sie sterben würdest?“
Die Vogeldame ließ den Kopf hängen. „Es gibt keinen, der mich vermissen würde“, sagte sie betrübt. „Was macht es für einen Unterschied, ob ich lebe oder sterbe? Das Rotkehlchen wird ein Mensch sein und dann bin ich noch immer allein. Vielleicht ist es besser, wenn ich nicht mehr da bin.“
Wieder lachte der Vogel in Menschengestalt und stupste die Krähe unsanft an. „Liebe bricht jeden Willen, wie es scheint.“
Der Kolkrabe lehnte sich zurück und sah zum Himmel. „Sieh nur, heute Nacht ist Vollmond.“
Die Aaskrähe sah zu dem Menschen auf. „Und du wirst sie tatsächlich in einen Menschen verwandeln?“, wollte sie wissen, nachdem sie sich nun mit ihrem Schicksal abgefunden hatte.
„Du hast mein Wort, kleines Vögelchen.“
Schweigend machte die Vogeldame einen Schritt nach vorne, auf den Kol­kraben zu, der grinsend nach der Krähe griff und sie in seiner Hand fast zerdrückte.
„Eine schwere Last, kleines Vögelchen. Aber jetzt wirst du von ihr befreit. Du wirst von allem befreit“, sagte der Rabe und die Aaskrähe drückte ängstlich die Augen zusammen.
Ein paar Momente lang tat sich nichts, dann hörte die Aaskrähe das gehäs­sige Lachen des Kolkrabens.
„Hast du tatsächlich geglaubt, dass ich dich jetzt fresse, mit Haut und Fe­dern?“, fragte er vergnügt und tippte der Vogeldame grob auf den Kopf. „So gut schmecken Krähen nicht, glaub‘ mir.“
Zögerlich öffnete der Vogel wieder die Augen. „Aber... ich muss tot sein, damit das Rotkehlchen ein Mensch werden kann“, sagte sie.
Der Rabe lachte laut auf und riss der Aaskrähe erneut eine Feder aus. „Die Feder eines todesmutigen Vogels reicht hierfür auch aus.“
Überrascht sah die Krähe den anderen Vogel an und meinte sogar, für einen kurzen Moment ein freundliches Lächeln auf seinem Gesicht zu se­hen.
‚Vielleicht ist er doch nicht so böse, wie ich dachte‘, überlegte die Vogelda­me. ‚Vielleicht hat er nur verlernt, nett zu sein, weil er immer allein ist.‘
Nun hatte die Krähe ein wenig Mitleid mit dem Kolkraben. Vielleicht konnten sie ja Freunde werden.
„Danke“, sagte die Vogeldame glücklich. „Kann das Rotkehlchen jetzt ein Mensch werden?“
Der Vogel in Menschengestalt nickte und ließ die Krähe los. „Bring‘ sie morgen früh zu mir. Dann erfülle ich ihr ihren größten Wunsch.“
Erleichtert blickte die Aaskrähe den Menschen an, bedankte sich noch mehrere Male und flog dann zurück.
Auf dem Rückweg dachte sie noch einmal über alles nach. So sehr hatte sich die Krähe gewünscht, endlich nicht mehr allein zu sein und mit dem Rotkehlchen hätte sich ihr Wunsch erfüllt. Doch sobald das rote Kehlchen ein Mensch war, würde sie nicht bei der Aaskrähe bleiben. Sie wollte lieber zu diesem Menschenjungen, den sie so mochte.
Die Vogeldame war hin und her gerissen. Sie wollte glücklich sein, aber sie wollte auch, dass das Rotkehlchen glücklich war.
Mit einem schmerzhaften Gefühl in der Brust flog sie zur Vogeltränke, wo ihre Freundin wartete.
Erschrocken betrachtete die kleinere Vogeldame das Gefieder der Aaskrä­he.
„Was ist mit dir passiert?“, fragte das rote Kehlchen besorgt.
Die Krähe lächelte leicht. „Ich habe dem Kolkraben meine Federn gegeben, damit er dir deinen Wunsch erfüllt“, erklärte sie.
Eine Weile schwieg das Rotkehlchen und sah zu Boden. Dann hob sie den Kopf wieder und fragte: „Warum tust du das für mich?“
„Weil ich dich gern habe.“
„Aber ich kann dir nichts geben, um mich zu bedanken.“
Die Aaskrähe sah zum Vollmond hinauf. „Du musst mir nichts geben. Es reicht mir, wenn ich weiß, dass du glücklich bist.“
Ein paar Minuten lang schwiegen die beiden Vogeldamen.
Als die Nacht immer kälter wurde, begann das Rotkehlchen zu zittern.
„Ich kann nicht schlafen“, sagte sie. „Ich bin zu aufgeregt.“
„Ich bleibe mit dir wach“, versicherte die Aaskrähe und legte einen Flügel um das rote Kehlchen. Schweigend kuschelte sich der kleinere Vogel an die Krähe. So verharrten sie bis zum Morgengrauen.

Kurz nachdem die Sonne aufgegangen war, machten sich die beiden Vögel auf den Weg zum Kolkraben.
Während sie durch den Wald flogen, sprachen sie nicht miteinander. Jeder hing seinen Gedanken nach.
'Vielleicht kann ich sie ab und zu besuchen', überlegte die Aaskrähe und sah immer wieder zum Rotkehlchen.
Als die beiden bei der alten Holzhütte angekommen waren, stand der Kol­krabe bereits am Fenster und grinste vor sich hin.
„Da sind ja die kleinen Vögelchen. Herzlich Willkommen“, begrüßte der Mensch seine Gäste, die vor ihm auf dem Fensterbrett landeten.
Das Rotkehlchen versteckte sich ängstlich hinter der Aaskrähe. Noch im­mer erinnerte es sich an die Worte der Blaumeise.
„So ein hübsches kleines Vögelchen“, sagte der Kolkrabe erfreut und be­trachtete das Rotkehlchen. „Du schmeckst bestimmt gut.“
Die Krähe breitete schützend ihre Flügel aus und sah den Raben wütend an. Er sollte seiner Freundin keine Angst einjagen!
Der Vogel in Menschengestalt lachte laut. „Keine Sorge, kleines Vögelchen. Ich werde deiner Freundin nichts tun.“
Die Aaskrähe traute dem Kolkraben nicht so ganz und blieb dicht beim Rotkehlchen.
„Du hast versprochen, meiner Freundin ihren Wunsch zu erfüllen“, sagte sie.
Der Mensch nickte grinsend. „Richtig, richtig. Ich werde tun, was ich kann. Also, kleines Vögelchen. Deinen größten Wunsch soll ich dir erfüllen, ja?“
Das rote Kehlchen nickte zögerlich. „Ja, bitte.“
Der Rabe musterte die kleine Vogeldame eine ganze Weile und stupste sie dann leicht an. „Ich kann dir nicht helfen“, meinte er dann und zuckte mit den Schultern.
Die Aaskrähe flatterte empört mit den Flügeln. „Du hast es versprochen!“
Der Vogel in Menschengestalt fuhr sich durch die Haare und eine schwarze Spinne krabbelte über seine Schulter.
„Dein größter Wunsch hat sich bereits erfüllt, kleines Vögelchen. Was soll ich da noch tun?“
Die Krähe blickte das Rotkehlchen überrascht an. „Ist das wahr?“, fragte sie und der kleinere Vogel nickte nach einer Weile.
Die Aaskrähe verstand es nicht. „Aber dein größter Wunsch war es doch, ein Mensch zu werden.“
Das rote Kehlchen schüttelte den Kopf. „Nein... Mein größter Wunsch war es, nicht mehr allein zu sein und jemanden zu finden, bei dem ich mich wohlfühle und der mich beschützt. Ich dachte, nur der Menschenjunge könnte mir diesen Wunsch erfüllen“, antwortete sie.
Die Aaskrähe sah ihre Freundin fragend an. „Und jetzt denkst du das nicht mehr?“, wollte sie wissen.
Der Kolkrabe lachte laut auf und tippte ihr auf den Kopf. „Dummes Vögel­chen! Du verstehst liebe Worte nicht, weil du glaubst, sie nicht verdient zu haben.“
Der Mensch schubste die beiden Vogeldamen aufeinander zu, bis sich ihre Schnäbel berührten.
Zufrieden grinste er. „Ich halte immer mein Wort. Und sogar mehr als das. Ich habe nicht nur den Wunsch deiner Freundin erfüllt, sondern auch dei­nen. “
Verlegen wandte sich das Rotkehlchen ab und die Aaskrähe sah sie ver­wundert an.
„Ich... war dein Wunsch?“, wollte sie wissen.
Die kleinere Vogeldame sah zu ihrer Freundin auf. „Ja. Wenn du bei mir bist, bin ich nicht mehr allein. Das ist alles, was ich immer wollte.“
Das Herz der Aaskrähe schlug schneller und zögerlich legte sie einen Flü­gel um das Rotkehlchen.
„Ich liebe dich“, sagte sie leise und schmiegte sich an ihre Freundin.
Entzückt kicherte der Kolkrabe und streichelte die beiden Vögel. „Ich habe gehört, verliebte Vögel schmecken besonders gut.“
Das Rotkehlchen zuckte erschrocken zusammen und die größere Vogelda­me krähte wütend. „Das ist nicht lustig!“, sagte sie.
„Es war auch nicht lustig gemeint“, meinte der Rabe und grinste böse.
Er lachte laut, als seine beiden Gäste ängstlich davon flogen.
Als die Vogeldamen den Wald des Kolkraben verlas­sen hatten, setzten sie sich auf einen Ast, um sich aus­zuruhen.
„Wohin wollen wir nun flie­gen?“, fragte das Rotkehl­chen nach einer Weile und rückte näher an ihre Freun­din heran.
„Wohin wir wollen“, antwortete die Aaskrähe und gemeinsam flogen sie davon.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Lexikon: Hexen und Hexer

Hexen und Hexer sind auf den ersten Blick nicht von gewöhnlichen Magiern zu unterscheiden. Sie besitzen ebenso wie alle Magier die Fähigkeit, die Arkanen Künste zu erlernen. Hexen und Hexer können diese allerdings nur in geringem Maße beherrschen. Während Magier ihre Kräfte aus ihrer Umgebung, der Natur und Blut (Blutmagie) beziehen, befindet sich die Quelle der Kraft bei Hexen und Hexern in ihrem Inneren.
Jedes Lebewesen besitzt eine böse Seite, die allerdings nur von Hexen und Hexern genutzt werden kann, um damit Magie zu wirken.
Im direkten Vergleich ist die Schattenmagie der Hexen und Hexer stärker als die Arkanen Künste, doch sie ist auch um Vieles gefährlicher und kostet den Anwender wesentlich mehr Kraft.
Eine besonders erschreckende und verheerende Fähigkeit der Hexen und Hexer ist die Schattenform, die sie annehmen können, indem sie ihrer bösen Seite die volle Kontrolle überlassen. Dadurch wird nicht nur der Verstand von der Boshaftigkeit befallen, sondern auch der Körper verändert sich und wird in tiefste Dunkelheit gehüllt.
In dieser Form kann ein einzelner Schattenmagier selbst einen Hohen Drachen besiegen, der sonst nur von einer Gruppe außergewöhnlich starker Krieger oder einer ganzen Armee bezwungen werden kann.
Diese Schattenform ist jedoch höchst gefährlich, da der Anwender keine Kontrolle mehr über sich selbst hat und somit auch Unschuldige verletzen oder sogar töten kann. Wird die Schattenform zu lange aufrecht erhalten, verliert sich das Herz in der Dunkelheit, die Hexe oder der Hexer bleibt in seiner Schattengestalt und kann nur durch eine Drachenträne wieder von der Finsternis befreit werden.

Hexen und Hexer werden im Namenlosen Königreich als gefährlich eingestuft und vom Zirkel der Magi verfolgt. Der Zirkel sieht die Verbrennung von Hexen und Hexer als einzige Möglichkeit an, die Welt vor der Dunkelheit und den Schattenkreaturen zu bewahren.
Trotz allem existieren Hexen und Hexer noch immer, die meisten jedoch wenden ihre Fähigkeiten nicht an oder sind so mächtig, dass selbst der Zirkel der Magi es nicht wagt, sie zu jagen. Und andere Magier sind sich selbst noch nicht einmal bewusst, dass sie Schattenmagier sind.

Erzählung: Fräulein Amethystglanzstar

Das penetrante Klopfen an meiner Haustür riss mich aus dem Schlaf.
Wer um alles in der Welt störte mich denn bitte um diese Uhrzeit? Anständige Bürger schliefen eigentlich schon längst!
Träge schleppte ich mich zur Tür, öffnete sie allerdings noch nicht.
»Wer ist da?«, fragte ich stattdessen und wartete auf eine Antwort, die nicht lange auf sich warten ließ.
»Fräulein Amethystglanzstar«, kam es von draußen und ich runzelte die Stirn. Was wollte die denn bitte hier?
Sicherlich waren auch die anderen beiden Kopfgeldjäger hier und gleich traf mich ein Pfeil mitten in den Kopf, ganz sicher.
Zögerlich öffnete ich trotz allem die Tür einen Spalt breit.
»Was wollt Ihr hier? Reicht es Euch nicht, mich tagsüber zu belästigen?«
Die Kopfgeldjägerin schmunzelte und fuhr sich durch die Haare. »Was für eine liebevolle Begrüßung. Seid Ihr immer so charmant?«
Ich verengte die Augen. »Es ist mitten in der Nacht und bisher waren unsere Treffen nicht unbedingt von Nächstenliebe und Sympathie geprägt«, erwiderte ich und sah mich draußen um. Kein Habichtfalke in den Bäumen, keine Berghüttensänger in den Büschen.
Amethystglanzstar lächelte leicht. »Ich bin allein hier. Ich muss mit Euch reden.«
Ich traute der Sache nicht.
»Worüber?«, fragte ich und ließ die Frau keine Sekunde aus den Augen.
»Möchtet Ihr mich nicht zuerst hereinbitten?«
»Nein.«
Die Kopfgeldjägerin seufzte und drängelte sich dann einfach in mein Haus, ohne auf meine Proteste zu reagieren.
Das war ja wohl die Höhe!
Sie sah sich kurz um und setzte sich dann ungefragt auf einen Stuhl. »Für ein Oberhaupt des Landes lebt Ihr aber sehr... schlicht«, sagte sie und betrachtete die einfachen Holzmöbel im Raum. »Gewiss könntet Ihr doch auch im Schloss leben, nicht wahr?«
Ich nickte. »Könnte ich, will ich aber nicht.«
Fräulein Amethystglanzstar lachte leise. »Ihr Aushilfshelden und Eure Bescheidenheit.«
Ich schloss lauter als gewollt die Haustür. »Ich bin kein Aushilfsheld!«
»Wenn Ihr das sagt, kleiner Aushilfsheld.«
So eine Frechheit! Was erlaubte die sich eigentlich?
Schlecht gelaunt setzte ich mich zu der Kopfgeldjägerin. »Was wollt Ihr von mir?«
Sie zögerte kurz mit ihrer Antwort. »Ich will wissen, was Ihr über die Meerjungfrau wisst. Und zwar alles.«
Verwirrt kratzte ich mich am Hinterkopf. »Welche Meerjungfrau?«
Amethystglanzstar schlug wütend auf den Tisch. »Stellt Euch nicht dumm! Ihr wisst genau, wovon ich spreche!«
»Ich habe wirklich keine Ahnung, was Ihr meint, ehrlich«, beteuerte ich und hob beschwichtigend die Hände. »Ich kenne keine Meerjungfrauen.«
»Lügt mich nicht an! Auf der Spitze des Turms, nachdem Ihr den Drachen getötet habt, habt Ihr die Meerjungfrau erwähnt!«
Jetzt wusste ich endlich, was sie meinte. »Tut mir ja echt leid«, fing ich an und zuckte mit den Schultern. »aber was ich als Schattenwesen gesagt und gemacht habe... darüber hatte ich keine Gewalt und ich kann mich auch an gar nichts mehr erinnern.«
Sie schien von dieser Antwort nicht unbedingt angetan zu sein.
Aufgebracht stand sie auf und packte mich am Kragen. »Dann verwandelt Euch gefälligst, damit ich mit dem Schattenwesen sprechen kann! Ich muss wissen, was es weiß!«
Entsetzt riss ich mich von der Kopfgeldjägerin los. »Auf keinen Fall! Das ist viel zu gefährlich! Ich darf mich nur verwandeln, wenn ich gegen einen extrem starken Gegner kämpfen muss. Außerdem würde Euch der Schatten ohnehin nichts verraten, sondern Euch sofort umbringen!«, erklärte ich und trat ein paar Schritte zurück.
Amethystglanzstar überlegte eine Weile und sah dann wieder zu mir. »Dann nehmt mich und meine Gefährten in die Heldentruppe auf«, forderte sie. »Irgendwann müsst Ihr Euch verwandeln und dann werde ich da sein.«
Sprachlos starrte ich sie an. Hatte sie gerade wirklich gefragt, was ich gehört hatte?
»Warum um alles in der Welt sollte ich das tun?«, fragte ich wenig überzeugt.
Die Kopfgeldjägerin grinste. »Weil wir eine Bereicherung für Eure Gruppe von Aushilfshelden wären und das wisst Ihr auch.«
Ich runzelte die Stirn. »Ich soll also diejenigen aufnehmen, die mich verbrennen lassen wollten, um Geld dafür zu bekommen? Klar, klingt absolut nachvollziehbar.«
Sie winkte ab. »Das ist doch Schnee von gestern«, versicherte sie, doch ich glaubte nicht daran.
»Nachtigall hat mir erzählt, dass Euer Freund mir direkt in den Kopf geschossen hat, als ich ein Schatten war. Meine Begeisterung hält sich also nach wie vor in Grenzen.«
Eine Weile sagte Amethystglanzstar gar nichts und blickte zu Boden. Vielleicht hat sie jetzt endlich aufgegeben.
Als ich jedoch ein Schluchzen hörte, stieg Panik in mir auf. Nein, sie konnte jetzt nicht allen ernstes anfangen zu weinen!
Meine Befürchtung bestätigte sich, als die Kopfgeldjägerin wieder zu mir aufsah. Ihre Augen waren mit Tränen gefüllt. »Bitte, Ihr müsst mir helfen. Ihr seid scheinbar die Einzige, die mehr über die Meerjungfrau weiß.«
Das konnte doch nicht wahr sein...
»S-schon gut! Ich werde Euch morgen im Schloss vorsprechen lassen! Aber bitte nicht weinen!«, ließ ich mich schließlich breit schlagen.
»Versprochen...?«, wollte sich Amethystglanzstar versichern und ich nickte.
»Ja, versprochen.«
Nur eine Sekunde später begann sie wieder zu lächeln, als wäre nie etwas gewesen.
»Gut, dann sehen wir uns morgen, Aushilfsheldin«, sagte sie keck und verließ dann einfach mein Haus.
Ich ließ den Kopf hängen. »Warum falle ich immer wieder auf so etwas herein? Immer wieder...«

Erzählung: Der Stelzenvogel

»Ich verstehe immer noch nicht, warum ich diesen Unsinn mitmachen soll«, jammerte ich, während ich sehnsüchtig auf das Festland blickte, das sich immer weiter entfernte. »Ist es nicht ein wenig spät für irgendwelche Lektionen?«
Meister Eule würdigte mich keines Blickes und betrachtete den Turm des Zirkels, dem wir bedrohlich nah kamen. Wie ich dieses Ding hasste.
»Es geht nicht um Euch, sondern um die Magier, denen noch zu helfen ist«, antwortete er irgendwann.
Ich verengte die Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. »Was soll das denn heißen?!«
Fräulein Nachtigall hob beschwichtigend die Hände. »Meister Eule hat es sich nicht böse gemeint. Bitte regt Euch nicht auf, Kommandantin.«
Schlecht gelaunt grummelte ich vor mich hin, bis das Boot endlich wieder stoppte.
Mit einem unguten Gefühl betrat ich mit den anderen beiden Magiern den Turm und versuchte die schlechten Erinnerungen zu verdrängen, die ihn mir aufkamen.
»Was genau ist jetzt eigentlich meine Aufgabe?«, fragte ich Nachtigall leise, während wir immer mehr Stockwerke hinter uns ließen.
Die Magierin zuckte mit den Schultern. »Scheinbar geht es um die Ausbildung der jungen Magier. Aber was genau Ihr damit zu tun habt, weiß ich leider auch nicht.«
Was es auch war, sicherlich wollte mich Meister Eule damit demütigen.
Wir erreichten eine kleine Halle, in der sich etliche Magier befanden, die alle nicht älter als zehn Jahre alt sein konnten.
Meister Eule packte mich grob am Arm und zog mich mit zu der Meute.
»Da sich das Üben mit älteren Magiern als gefährlich herausgestellt hat, wird Fräulein Quetzal ab heute mit euch üben. Ihr müsst keine Angst haben, denn ihre Fähigkeiten übersteigen eure nicht im geringsten. Es besteht also keine Gefahr«, erklärte der Elf und schubste mich zu den jüngeren Magiern, die mich schmunzelnd betrachteten.
Wütend drehte ich mich zu Meister Eule um, der bereits drauf und dran war, wieder zu verschwinden.
Oh, wenn ich meine Fähigkeiten als Hexe nicht geheim halten müsste, würde ich diesen mürrischen Magier mit Freuden gegen die nächste Wand feuern.
»Fräulein Nachtigall wird die Lehrstunde leiten«, fügte er noch hinzu und verschwand dann.
Fassungslos sah ich ihm nach und blickte dann zu Nachtigall, die nicht weniger überrascht von diesem Abgang war.
»Ich... wusste nichts davon, das schwöre ich«, sagte sie und ich ließ nur die Schultern hängen.
»Ist schon gut«, erwiderte ich und seufzte schwer. Und wie kam ich aus dieser Nummer wieder raus?
Fräulein Nachtigall lächelte mich leicht unbeholfen an. »Wenn wir schon einmal hier sind, könnten wir doch tatsächlich ein wenig mit den Kindern üben, oder nicht?«
Ich verdrehte die Augen und ergab mich dann meinem Schicksal. So schlimm konnte das ja schließlich nicht sein.
»Nun gut, was soll ich tun?«, fragte ich und griff nach meinem Zauberstab.
Nachtigall führte mich auf eine Seite der Halle und deutete auf einen Jungen, der sich nach einer kurzen Aufforderung der Magierin auf der anderen Seite aufstellte.
»Die Kinder sollen ihren Abwehrzauber üben, doch die Kräfte der älteren Magier sind schon zu stark, um sie gegen die Anfänger einzusetzen.«
Ich runzelte die Stirn. »Können die Kinder sich nicht gegenseitig angreifen?«
»Nein, sie beherrschen noch keine Angriffszauber. Das wäre zu gefährlich.«
Ich nickte und musterte den Jungen auf der anderen Seite der Halle. Ein Kind angreifen? Das gefiel mir ganz und gar nicht.
»Macht Euch keine Sorgen. Die Kinder sind nicht so hilflos, wie Ihr vielleicht glaubt«, flüsterte mir Nachtigall lächelnd zu und stellte sich dann etwas abseits auf.
»Ihr könnt beginnen, Kommandantin.«

Erschöpft ließ ich mich auf den Boden sinken und sah den Kindern nach, die vergnügt die Halle verließen.
»Vielen Dank für Eure Hilfe, Kommandantin. Die Kinder scheinen viel Spaß gehabt zu haben«, meinte Fräulein Nachtigall und setzte sich neben mich.
Ich schloss kurz die Augen. »Schön, aber das mache ich nicht nochmal. Das war anstrengend.«
Die Magierin wollte gerade etwas erwidern, als eine mächtige Erschütterung uns aufschrecken ließ.
»Was war das?«, fragte Nachtigall und gleich darauf trat ein Magier ein, der sichtlich geschockt war.
»Ein Drache! Ein Drache ist auf der Spitze des Turms!«, rief er in Panik und von Weitem konnte ich die Schreie der anderen Magier hören, die voller Angst flüchteten.
Ich blickte kurz zu Fräulein Nachtigall, die verstehend nickte. Wir mussten sofort auf die Spitze des Turms.
»Wo ist Meister Eule?«, fragte ich, bevor ich die Halle verließ.
»Er ist bereits oben und kämpft gegen den Drachen, zusammen mit drei Fremden«, erklärte mir der Mann, bevor er mit den anderen das Weite suchte.
Ich hatte keine Zeit, um darüber nachzudenken, wer die drei Fremden sein konnten. Wir hatten keine Zeit zu verlieren!
Als wir auf dem Dach des Turms angekommen waren, mussten wir sofort einem Feuerball des Drachen ausweichen, den Meister Eule scheinbar gerade abgewehrt hatte.
Ich ließ kurz meinen Blick schweifen und entdeckte dann auch die drei Fremden, von denen der Magier gesprochen hatte. Allerdings waren sie mir nicht sonderlich fremd. Ganz im Gegenteil.
»Was machen die Kopfgeldjäger hier?«, fragte Fräulein Nachtigall, als sie die drei Gestalten ebenfalls gesehen hatte.
»Ich weiß es nicht, aber es bedeutet auf jeden Fall Ärger«, knurrte ich und kämpfte mich zu Meister Eule vor.
»Überlasst den Drachen uns. Er ist unsere Beute«, hörte ich Fräulein Amethystglanzstar, die gerade einem Angriff des Drachen auswich. »Wir können nichts dafür, dass er hier gelandet ist. Er hat sich nun einmal die Spitze des Turms als Sterbeplatz ausgesucht.«
»Ihr scheint die wahre Kraft dieses Wesens zu unterschätzen. Wir haben es hier mit einem Hohen Drachen zu tun. Ihr könnt ihn niemals allein bezwingen!«, erwiderte Meister Eule und traf den Drachen mit einem Zauber, der das Tier kurz zum Wanken brachte.
Ein Hoher Drache? Selbst fähige Kämpfer wie Nachtigall oder die Kopfgeldjäger konnten dieses Ding niemals allein besiegen!
Und da Meister Eule anwesend war, konnte ich mich nicht der Hexerei bedienen.
»Wir wissen schon, was wir tun«, versicherte Herr Habichtfalke und schoss auf den Kopf des Drachen, doch der Pfeil der Armbrust prallte einfach ab. Selbst ein guter Schütze konnte hier wenig ausrichten. Trotz allem gab er nicht nach und feuerte weiter auf den übermächtigen Gegner.
Fräulein Berghüttensänger versuchte derweil, auf den Drachen zu klettern, um ebenfalls seinen Kopf treffen zu können, doch das Tier schüttelte die Kopfgeldjägerin immer wieder ab.
Fräulein Nachtigall und Meister Eule bündelten nun ihre Kräfte, um mehr Schaden anzurichten. Für einen kurzen Moment war ich versucht, ihnen zu helfen, doch ich hatte nie gelernt, wie man Magie vereinen konnte und deshalb wäre ich wohl keine große Hilfe für die beiden gewesen.
Als ich Berghüttensänger schreien hörte, drehte ich mich zu den Kopfgeldjägern um und sah gerade noch, wie Fräulein Amethystglanzstar, scheinbar durch einen Schlag des Drachen, vom Turm stürzte. Die anderen beiden Kopfgeldjäger versuchten ihr zu helfen, wurden jedoch vom Schweif des Drachen getroffen und gegen die Tür, die ins Innere des Turms führte, geschleudert.
Ich überlegte nicht lange und rannte zu der Stelle, an der Fräulein Amethystglanzstar abgestürzt war.
Sie hing an einem Wasserspeicher, doch ich konnte sie, auch mit der Hilfe meines Zauberstabs, nicht erreichen.
Ich überlegte fieberhaft, was ich tun konnte, doch die einzige Lösung schien die Hexerei zu sein.
Schnell blickte ich zu Meister Eule. Er hatte mich nicht im Blick und war vollkommen auf den Drachen fixiert.
»Erschreckt Euch jetzt nicht«, warnte ich die Kopfgeldjägerin, die die Stirn runzelte.
»Weswegen sollte ich mich erschrecken, Aushilfsheldin?«
Ich konzentrierte meine Kräfte auf die Wand des Turms und ließ daraus eine Schattenhand wachsen, mit der ich nach Amethystglanzstar griff, um sie wieder auf der Spitze des Turms abzusetzen.
»Wegen der großen Schattenhand, die aus der Wand gewachsen ist«, erwiderte ich, nachdem die Kopfgeldjägerin wieder sicheren Boden unter den Füßen hatte.
Überrascht starrte sie mich an. »Ihr seid eine-«
»Dafür haben wir jetzt keine Zeit!«, unterbrach ich sie und schuf eine Schattenwand, um uns vor dem Feuer des Drachen zu schützen, der seine Aufmerksamkeit nun auf uns gerichtet hatte.
Ich hatte vergessen, dass Drachen es spüren konnten, wenn Hexerei praktiziert wurde.
Und nicht nur er konnte das. Ich wusste ganz genau, dass auch Meister Eule dazu fähig war. Sein Blick verriet mir sofort, dass ich recht hatte. Aber ich hatte im Moment andere Probleme.
»Ihr solltet Euch um Eure Gefährten kümmern«, riet ich Amethystglanzstar und deutete mit dem Kopf auf die beiden anderen Kopfgeldjäger, die bewusstlos am Boden lagen. »Bringt sie so schnell wie möglich in Sicherheit.«
»Wir haben keine Angst vor dem Drachen. Wir können helfen!«
Ich lächelte betrübt. »Es ist nicht der Drache, vor dem Ihr Angst haben solltet. Bringt Euch in Sicherheit, solange Ihr noch könnt. Gleich wird es zu spät sein.«
Fragend sah mich die Kopfgeldjägerin an, doch ich sparte mir jedes weitere Wort und ging auf den Drachen zu, der sich nun vollkommen auf mich konzentrierte.
Stumm sah ich zu, wie die Kopfgeldjägerin versuchte, ihre Freunde zu wecken, die kurz darauf wieder zu Bewusstsein kamen.
Gut, dann konnten sie wenigstens entkommen, wenn es nötig war.
Der Drache brüllte mich an, doch er startete keinen Angriff. Scheinbar hatte er tatsächlich ein wenig Respekt vor mir. Wenigstens einer.
Ich blickte zu Fräulein Nachtigall, die bereits ahnte, was ich vorhatte.
»Es ist wohl soweit«, meinte ich und lächelte matt. »Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde.«
Die Magierin kam auf mich zu und wollte etwas sagen, doch Meister Eule kam ihr zuvor.
»Es hätte mir von Anfang klar sein müssen, dass etwas nicht stimmt. Ihr seid Hexenbrut! Nun ergibt alles einen Sinn.«
Ich schmunzelte. »Verlegen wir die Beschimpfungen und den ganzen Rest auf später, ja? Ich habe einen Drachen zu töten.«
Ich sah noch einmal kurz zu den beiden Magiern. »Ihr tätet gut daran, zu fliehen.«
Keiner der beiden kam meiner Aufforderung nach. Ich hatte auch nicht damit gerechnet.

*****

Ich wusste, dass die Kommandantin das einzig Richtige in diesem Moment tat, doch trotzdem war ich versucht, sie davon abzuhalten und auch Meister Eule verstand, was Quetzal vorhatte.
Doch sein Versuch, ihr Vorhaben abzubrechen, kam zu spät.
Sie begann bereits damit, die Worte auszusprechen, mit denen sie ihre Seele den Schatten übergab.
»Mein Hexenherz geht den Pakt ein und wird nun eins mit den Schatten sein.«
Meister Eule und ich gingen ein paar Schritte zurück, als sich Schatten um die Kommandantin sammelten und sie darin vollständig einhüllten.
»Der Erbauer stehe uns bei«, flüsterte Meister Eule und unwillkürlich berührte ich die Drachenträne, die um meinen Hals hing.
Als sich die Dunkelheit wieder verzog, stieg eine mindestens drei Meter große Kreatur aus den Schatten hervor, die auf langen, stelzenhaften Beinen stand. Die Augen glühten giftgrün und ein beängstigendes Grinsen zierte das Gesicht der Schattengestalt. Mit seinen langen, spitzen Fingern deutete es auf den Drachen, der seit der Anwesenheit des Schattenwesens unruhig wirkte.
»Deine Zeit ist abgelaufen«, sagte es in der Alten Sprache der Drachen. Die Stimme des Wesens klang nur schemenhaft nach der Kommandantin. Sie war verzerrt und es hörte sich so an, als würde nicht nur sie, sondern auch noch eine zweite Person sprechen.
Der Drache spie sein Feuer, doch die Gestalt versank einfach in den Schatten und tauchte kurze Zeit später wieder auf.
»Kestalia kes dus wera ara klopuestis«, sprach die Schattengestalt. Es schien ebenfalls die Sprache der Drachen zu sein, doch es handelte sich dabei um Worte, die mir nicht geläufig waren. Scheinbar benutzte das Wesen die Erste Sprache der Drachen, die heute nicht mehr gelehrt wurde.
»Die Schatten werden deine Seele fressen«, übersetzte Meister Eule und starrte das Wesen an, das nun zum Angriff überging und seine Klauen in den Hals des Drachen rammte.
Ich kniff die Augen zusammen und biss mir auf die Unterlippe, als ich den schrecklichen Schmerzensschrei des Drachen hörte.
Ich wagte es nicht, die Augen zu öffnen, denn die Geräusche und Schreie, die ich vernahm, reichten bereits aus, um zu begreifen, dass die Schattengestalt keine Gnade kannte.
Als es für einen Moment still war, zwang ich mich dazu, die Augen wieder zu öffnen.
Der Anblick der Drachenleiche ließ Übelkeit in mir aufkommen. Der Schatten hatte das Tier vollkommen zerstückelt und schien an dem Anblick seine Freude zu haben.
»Wenn sie sich nicht gleich aus eigener Kraft zurückverwandelt, sind wir verloren«, sagte Meister Eule und schien bereits mit dem Leben abzuschließen.
Ich nahm die Kette mit der Drachenträne von meinem Hals und ging auf die Schattengestalt zu, um diesen Wahnsinn zu beenden, doch bevor ich etwas unternehmen konnte, traf ein Pfeil den Kopf des Schattens, der sich in die Richtung drehte, aus der das Geschoss gekommen war.
»Hey, Schattenbrut! Weißt du eigentlich, wie viel dein Kopf wert ist? In Lorberia zahlt mal einen guten Preis für ein Hexenkind«, rief Herr Habichtfalke dem Schattenwesen zu und auch die beiden anderen Kopfgeldjäger schienen sich dem Schatten entgegen stellen zu wollen.
»Diese Narren«, knurrte Meister Eule, der nur zu gut wusste, dass die drei keine Chance hatten, diesen Kampf zu überleben. Hatten sie nicht gesehen, was mit dem Drachen passiert war?
Das Wesen zog den Pfeil aus seinem Kopf und eine schwarze Flüssigkeit floss aus der Wunde.
Stumm wischte sich der Schatten das Blut aus dem Gesicht und begann zu lachen.
Innerhalb eines Herzschlags tauchte die Schattengestalt vor Herrn Habichtfalke auf, packte ihn und hob ihn nach oben.
»Wie gut das Vögelchen zielen kann. Doch wird es das noch, wenn ich ihm die Augen ausgestochen habe?«
Fräulein Amethystglanzstar versuchte ihm zu helfen und traf mit ihrem Degen den Arm des Schattens.
Lachend blickte dieser auf die Kopfgeldjägerin herab und schleuderte Herrn Habichtfalke auf die beiden Kopfgeldjägerinnen, die mit ihrem Gefährten zu Boden gingen.
»Das violette Vögelchen sollte sich nicht einmischen und lieber nach der suchen, die sie vermisst. Fischmenschen finden sich nicht von allein.«
»Woher weißt du...?«
»Die Seele des violetten Vögelchens schreit geradezu danach. Vielleicht findet es seine Freundin ja in der Hölle.«
Gerade als das Wesen zum Schlag ausholte, traf mein Feuerball den Schatten, der mir nun seine Aufmerksamkeit schenkte.
Gefährlich langsam näherte sich die Gestalt mir und blickte grinsend auf mich herab.
»Was für ein hübsches Vögelchen. Möchtest du zerstückelt werden oder soll ich deine Seele mit in die ewige Dunkelheit ziehen?«
Ich erwiderte nichts darauf und richtete die Drachenträne auf das Wesen vor mir.
»Hexenherz, sei wieder rein. Sollst nicht mehr gefangen sein.«
Das Artefakt strahlte ein helles Licht aus, das den Schatten zurückdrängte und ihn in die Knie zwang. Immer mehr versank die Gestalt und löste sich in einer dunklen Wolke auf. Als diese sich verzog, sah ich die Kommandantin, die bewusstlos am Boden lag.
Ich ging neben ihr auf die Knie und versuchte sie zu wecken, doch es war hoffnungslos. Ihre Augen waren geöffnet, aber sie schienen leblos zu sein. So, als wäre sie noch an einem ganz anderen Ort, an dem niemand sie erreichen konnte.
Meister Eule trat neben mich und hob Quetzal auf seine Arme.
»Es kann dauern, bis sie wieder zu sich kommt«, meinte er. Im Moment konnte ich nicht erfassen, was er von all dem hielt, doch er schien erstaunlich gefasst.
Als wir in das Innere des Turms zurückkehren wollten, hielt uns Herr Habichtfalke auf.
»Hier im Namenlosen Königreich gibt es keine Belohnung für die Festnahme von Hexen, doch wenn wir sie nach Lorberia bringen und dort verbrennen lassen, kann ein guter Preis für sie erzielt werden. Soweit ich weiß, ist auch der Zirkel der Magi einer finanziellen Unterstützung nicht abgeneigt«, sagte er und deutete auf die Kommandantin.
Meister Eule verzog keine Miene.
»Der Zirkel der Magi ist auch ehrbarem Verhalten nicht abgeneigt«, antwortete er. »Nehmt, was von dem Drachen übrig geblieben ist und holt Euch dafür Eure Belohnung. Das Hexenkind ist Angelegenheit des Zirkels.«
Unsicher sah ich zu Meister Eule auf. Ich konnte nicht einschätzen, was er mit der Kommandantin vor hatte.
Herr Habichtfalke wollte noch etwas erwidern, doch Fräulein Amethystglanzstar hielt ihn zurück.
»Lassen wir es für heute darauf beruhen. Eins nach dem anderen, Habichtfalke«, sagte sie, drehte sich um und ging auf die Drachenleiche zu.
Fräulein Berghüttensänger gesellte sich sofort zu ihr. »Igitt, was für eine Sauerei! Da hat die Hexe aber ganze Arbeit geleistet.«
Herr Habichtfalke wandte sich nun auch von uns ab und spielte kurz auf einer Okarina. Kurze Zeit später flog eine Chimäre auf das Dach des Turms. So waren sie also hierher gekommen.
»Hey, Magierin. Sagt Eurer Freundin, dass diese Sache noch nicht vorbei ist. Der nächste Pfeil von mir wird sie sicherlich nicht mehr zum Lachen bringen«, rief mir der Kopfgeldjäger noch zu, bevor ich mich umdrehte und Meister Eule ins Innere des Turms folgte.

Erzählung: Die Drachenträne

»Ein Geschenk? Mein Geburtstag ist doch schon vorbei oder gibt es einen Feiertag, den ich verpasst habe?«
Ich lächelte Fräulein Nachtigall an und schüttelte den Kopf. »Nichts dergleichen. Das Ganze ist auch nicht wirklich ein Geschenk... Es ist eher eine Bitte an Euch«, erklärte ich und reichte der Magierin ein kleines Päckchen.
Nachtigall runzelte kurz die Stirn und öffnete dann das Geschenk.
Überrascht betrachtete sie das Schmuckstück und sah dann zu mir auf. »Eine Drachenträne? Warum schenkt ihr mir so etwas Kostbares?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Wie gesagt, es ist kein richtiges Geschenk. Diese Drachenträne ist nicht einfach nur ein Schmuckstück und das wisst Ihr sicherlich noch besser als ich. Ich möchte Euch darum bitten, diesen Gegenstand einzusetzen, wenn es nötig sein sollte.«
Fräulein Nachtigall musterte mich leicht beunruhigt. »Denkt Ihr, Morgana und Morpheus werden in naher Zukunft ihre Schattenform benutzen?«, fragte sie und blickte nachdenklich auf die Drachenträne in ihren Händen.
Ich schüttelte betrübt den Kopf. »Es geht nicht um die beiden. Es geht um mich.«
Überrascht starrte mich die Magierin an. »Ihr seid...?«
Ich nickte leicht. »Ja, bin ich. Ich denke, das erklärt so einiges, nicht wahr?«
»Ja, durchaus... Aber warum habt Ihr nicht schon viel früher davon erzählt?«
»Weil ich es selbst erst seit Kurzem weiß. Die Rabenkinder haben es mir gesagt. Sie hätten viel früher damit rausrücken können...«
Nachtigall nahm meine Hand. »Aber Ihr wollt mich doch nicht wirklich darum bitten, die Drachenträne gegen Euch einzusetzen?«
Ich blickte zur Seite. »Doch, wenn es wirklich sein muss, werde ich meine Schattenform benutzen und ich bin mir sehr sicher, dass ich sie nicht lange unter Kontrolle haben werde. Deswegen brauche ich die Sicherheit, dass es jemanden gibt, der mich im Notfall aufhalten kann. Ich will keine Unschuldigen verletzen.«
Eine Weile schwieg Fräulein Nachtigall, dann sah sie wieder zu mir auf. »In Ordnung. Wenn es das ist, was Ihr wollt, dann werde ich Euch dieses Wunsch nicht verwehren.«
Ich lächelte erleichtert. »Ich danke Euch sehr, Fräulein Nachtigall. Ich wusste, dass ich auf Euch zählen kann«, sagte ich. »Ich möchte Euch allerdings um noch etwas bitten. Keiner soll wissen, was ich wirklich bin. Sie werden es alle noch früh genug erfahren...«
Die Magierin nickte. »Verstanden. Ich werde es für mich behalten. Allerdings...«, fing sie an. »solltet Ihr eigentlich genug Vertrauen zu Euren Freunden haben...«
»Es geht nicht um meine Freunde. Sorgen macht mir nur Meister Eule. Wenn er die Wahrheit erfährt, dann... Ach, weiß der Erbauer, was er dann mit mir macht. Je weniger Leute davon wissen, umso geringer ist das Risiko, dass er es erfährt.«
Wieder nickte Nachtigall und legte die Kette, an der die Drachenträne hing, an. »Ich hoffe, dass ich die Drachenträne niemals einsetzen muss. Ich will mir die Gefahr, die Euch dazu zwingen würde, Eure Schattenform anzunehmen, gar nicht vorstellen...«
Ich lächelte besonnen. »Keine Sorge. Bisher haben wir noch alles überstanden. Ganz ohne Hexerei. Naja, ganz ohne meine Hexerei.«
Nachtigall lächelte matt. »Ich bewundere Eure Besonnenheit wirklich sehr. Sie wird in manch dunklen Zeiten unser größter Schatz sein.«
Ich grinste breit. »Mein größter Schatz in dunklen Zeit wird immer Fräulein Amsels Erdbeerkuchen sein«, antwortete ich und brachte gleich darauf zwei Stücken von besagtem Kuchen aus der Küche.
Die Magierin schmunzelte und setzte sich an den Tisch. »Ihr seid wirklich eine außergewöhnliche Hexe, Kommandantin.«

Erzählung: Herr Habichtfalke

„Es ist ausgesprochen ruhig, wenn man bedenkt, dass hier eine Bande von Räubern wüten sollte“, bemerkte ich und sah mich in dem kleinen Dorf um, von dem wir vor etwa eine Stunde einen Hilferuf erhalten hatten.
„Sicher, dass wir im richtigen Dorf sind?“, wollte Herr Prachtstaffelschwanz wissen.
Ich nickte. „Ganz sicher.“
Fräulein Nachtigall stieg von ihrem Einhorn. „Vielleicht sind sie bereits weitergezogen. Sicherlich haben sie damit gerechnet, dass wir hierher kommen.“
Das konnte gut möglich sein. Wie bedauerlich! Eine Heldentat hätte mir heute gut getan.
Nachdem wir auch nach mehr als fünf Minuten keine Räuber gefunden hatten, klopfte ich an eine Haustür.
„Guten Tag. Lebt Ihr in Angst und Schrecken?“, fragte ich, als ein Dorfbewohner die Tür geöffnet hatte.
Er wirkte etwas irritiert. „Nein, nicht wirklich, Fräulein.“
„Aber wir haben einen Hilferuf erhalten. Waren hier keine Räuber unterwegs?“, fragte ich und zeigte ihm den Brief, der per Luftpost bei uns angekommen war.
Der Mann überflog den Zettel kurz. „Ach, die sind schon wieder weg. Die Kopfgeldjäger haben sie bereits festgenommen.“
Ich verengte die Augen. Das konnten nur diese zwei Grazien gewesen sein, die uns schon so oft die Arbeit gestohlen hatten!
„Waren es zwei Frauen? Eine mit braunen, die andere mit blauen Haaren?“
Der Dorfbewohner nickte. „Ja und dann war da noch ein Mann mit Mütze.“
Ich runzelte die Stirn. Seit wann waren die denn zu dritt? Das wurde ja immer besser mit denen!
„Vielen Dank für die Auskunft. Habt noch einen schönen Tag.“
Gerade wollte ich mich umdrehen und gehen, als der Mann mich aufhielt.
„Moment, Ihr seid die Kommandantin der Heldentruppe, nicht wahr? Ich soll Euch von den Kopfgeldjägern diese Nachricht geben.“
Verwundert nahm ich den Umschlag entgegen, bedanke mich und ging.

„Was steht in dem Brief?“, wollte Herr Prachtstaffelschwanz wissen und blickte über meine Schulter, während ich den Umschlag öffnete.
Als ich die kurze Nachricht gelesen hatte, ballte ich verärgert die Hände zu Fäusten.
„Diese dreisten Diebe! Die haben uns verarscht!“, knurrte ich und gab den Zettel an Fräulein Nachtigall weiter, die ihn laut vorlas.
„Wieder mal zu spät, ihr Aushilfshelden. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.“
Das ließ ich gewiss nicht auf mir sitzen! Ich war ein Held, ein echter Held!
„Auf der Rückseite ist eine Karte mit einer Markierung. 'Unser Geheimversteck' steht da... Das ist gewiss ein Witz“, sagte Nachtigall.
„Oder eine Falle“, fügte Prachtstaffelschwanz hinzu und sah sich die Karte an. „Glauben die wirklich, dass wir darauf hereinfallen und dorthin reisen?“
„Wir werden dorthin reisen!“, verkündete ich und stieg auf Apfelkuchen. „So leicht kommen die mir nicht davon! Es geht hier um die Ehre der Heldentruppe!“
Fräulein Nachtigall runzelte die Stirn. „Haltet Ihr das wirklich für eine gute Idee, Kommandantin? Sie wollen doch, dass wir zu ihnen kommen.“
„Dann geben wir ihnen, was sie wollen“, beharrte ich weiterhin auf meinen Plan.
Ich ließ mir doch nicht auf der Nase herum tanzen!

„Großartiges Versteck“, murmelte ich und betrachtete angeekelt die Totenschädel und Spinnweben, die die Höhle zierten, in der wir nun gelandet waren. Die Kopfgeldjäger lebten doch nicht wirklich hier, oder?
Langsam glaubte ich auch, dass alles nur ein Witz oder gar eine Falle war...
„Ich habe wirklich kein gutes Gefühl bei der Sache, Kommandantin.“
Ich drehte mich zu Fräulein Nachtigall um. „Wird schon schief gehen“, sagte ich lächelnd und machte einen weiteren Schritt nach vorne.
Einen kurzen Augenblick später gab der Boden unter mir nach und ich stürzte nach unten.
„Ich hatte nicht erwartet, dass das wirklich schief geht“, murmelte ich und richtete mich mühsam auf.
„Alles in Ordnung bei Euch?“, hörte ich Herr Prachtstaffelschwanz von oben rufen.
Ich blickte nach oben. Ich war ganz schön tief gefallen, wie es aussah.
„Ja, alles in Ordnung. Ich hab' wohl den Geheimweg gefunden, wie es aussieht. Ich würde vorschlagen, Ihr geht den normalen Weg weiter und haltet Ausschau nach den Kopfgeldjägern. Ich kümmere mich um die untere Etage. Vermutlich ist hier alles miteinander verbunden und wir treffen bald wieder aufeinander“, meinte ich und sah mich kurz um.
Nach oben kam ich erstmal nicht, also blieb mir ohnehin nichts anderes übrig, als einen anderen Weg zu suchen.
Fräulein Nachtigall beugte sich über das Loch, durch das ich gefallen war.
„Seid Ihr Euch sicher? Dieser Ort scheint nicht ungefährlich zu sein, Kommandantin“, rief sie zu mir nach unten.
„Ihr kommt hier sowieso nicht heil herunter. Ich bin zum Glück auf diesem Wolkenpilz gelandet, aber der ist jetzt hinüber. Ihr würdet Euch alle Knochen brechen, wenn Ihr hier herunter springt.“
Nachtigall seufzte. „In Ordnung, wir suchen einen anderen Weg. Passt auf Euch auf.“
Ich nickte lächelnd und folgte dann dem einzigen Weg, den ich gehen konnte.
Hier sah es sogar noch schlimmer aus, als beim Eingang. Mich beschlich das ungute Gefühl, das hier etwas lebte, das ich nicht unbedingt kennenlernen wollte. Etwas, das große Tiere fraß.
Zumindest sprachen die Knochen und Überreste für sich. Außerdem stank es hier fürchterlich nach Tod.
Am Ende des schmalen Ganges, den ich nun für ein paar Minuten gegangen war, wurde es heller und ein großer, hoher Raum lag vor mir.
Ich konnte so etwas wie ein Nachtlager erkennen und Kisten und Beutel voller Goldmünzen waren hier aufgetürmt.
„Ein Diebesversteck?“, dachte ich laut und hörte plötzlich ein Knurren und laute Fußschritte.
Ich kannte diese Geräusche nur zu gut. Das konnte nur eines bedeuten: Hier war ein Oger.
Mein Verdacht bestätigte sich schon kurze Zeit später, als eine riesige Gestalt mit einer Axt auf mich zugestürmt kam.
Ich konnte seinem Angriff gerade noch ausweichen, indem ich zur Seite sprang.
„Das ist einfach nicht mein Tag“, jammerte ich und richtete mich schnell auf.
Der Oger schien von meinem unangekündigten Besuch nicht sonderlich erfreut zu sein, nahm einen riesigen Felsbrocken und versperrte damit meinen einzigen Fluchtweg.
„Das ist wirklich nicht mein Tag...“
Na gut, hier konnte mir wohl nur noch ein Kampf helfen!
Bewaffnet mit meinem Zauberstab griff ich den Oger an, der von meinen Angriff nicht unbedingt beeindruckt war.
„Könntet Ihr nicht wenigstens so tun, als würde Euch das weh tun?“, fragte ich genervt und wich seiner Axt aus, mit der er abermals nach mir schlug.
Alles klar, er reagierte auf die Schläge meines mit Magie umgebenen Zauberstabs eher gelangweilt. Also musste ich hier etwas härtere Methoden anwenden!
Fräulein Nachtigall hatte mir beigebracht, wie man Feuerbälle und Eisbrocken zaubern konnte. Das würde ich jetzt einfach probieren und diesen Oger ins Land der Träume schicken!
„Feuer!“, rief ich und richtete meine Waffe auf den Oger.
Nichts passierte.
Bei Nachtigall sah das so leicht aus! Das musste doch funktionieren!
„Feuer!“

„Eis?“
Verzweifelt fuchtelte ich mit meinem Zauberstab herum, aber es passierte einfach nichts.
Der Oger war nicht wirklich eingeschüchtert von mir und griff erneut an.
Dieser Attacke konnte ich nur entgehen, indem ich mich nach hinten fallen ließ und schmerzhaft auf dem Boden aufkam.
„Das ist definitiv nicht mein Tag.“
Über mir hörte ich plötzlich eine vertraute Stimme.
„Wie habt Ihr es schon wieder geschafft, Euch in Schwierigkeiten zu bringen?“, rief Prachtstaffelschwanz und lehnte sich über ein Loch, das weit über mir zu sehen war.
„Es geht mir gut. Danke der Nachfrage!“, brüllte ich nach oben und brachte etwas Abstand zwischen mich und den Oger.
Beim Erbauer, warum griff der mich überhaupt an? Ich wollte seine Schätze nicht!
„Können wir nicht darüber reden?“, startete ich einen - wie sich schnell heraus stellte - erfolglosen Versuch, vernünftig mit dem Oger zu sprechen.
Er gehörte zu der hirnlosen Sorte, schon verstanden.
„Passt auf, der Kerl scheint keinen Spaß zu verstehen“, sagte Herr Prachtstaffelschwanz und versuchte gerade einen Weg zu mir nach unten zu finden. Allerdings gab es da wohl keine Möglichkeit.
„Danke für den Tipp! Habt Ihr noch einen parat?“, fragte ich schnippisch und rannte vor dem Oger weg, der versuchte, mich mit seiner Axt zu vierteilen.
„Ja, einen hab' ich noch. Weniger wegrennen und mehr kämpfen“, rief der Prinz zu mir herunter.
Ich verengte die Augen. „Das sagt sich so leicht, wenn man ein Schwert schwingen kann, das fast so groß ist, wie man selbst!“
Ich schrie auf, als die Axt des Ogers auf mich zugeflogen kam.
In letzter Sekunde duckte ich mich und die Waffe blieb über mir in einer Wand stecken.
„Hey, Waffen werfen ist unfair!“, rief ich und rannte auf die andere Seite des Raumes.
So konnte das nicht ewig weitergehen! Ich brauchte einen Plan!
Denk' nach, Quetzal! Denk nach!
Ich war so in meine Gedanken vertieft, dass ich nicht bemerkte, dass der Oger plötzlich neben mir stand, mein Bein packte und mich kopfüber in der Luft hängen ließ.
„Das ist eindeutig nicht mein Tag“, jammerte ich hilflos.
War das nicht normalerweise der Moment, in dem Morpheus oder Morgana auftauchten, um mir zu helfen? Die ließen sich heute wirklich viel Zeit.
„Vögelchen zerquetschen“, grummelte der Oger und stupste mich mit seiner freien Hand unsanft an.
„Nein, Vögelchen soll man nicht zerquetschen! Böser Oger!“, sagte ich und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien.
Der Oger schnüffelte kurz an mir und sabberte mich dann an.
Ogersabber, ganz toll.
„Ihr habt drei Sekunden, um sie herunter zu lassen“, erklang hinter uns auf einmal eine Stimme.
Ich lächelte glücklich. Fräulein Nachtigall.
Sie saß auf ihrem Einhorn und flog gerade auf den Boden des Raumes.
„Drei.“
„Ihr solltet auf sie hören, Oger.“
„Zwei.“
„Sie meint es ernst, glaubt mir.“
„Eins.“
„War schön, Euch kennengelernt zu haben.“
Die Magierin zögerte nicht lange, schwang ihre Waffe und einen Augenblick später traf ein Feuerball den Oger, der zu Boden ging.
Dummerweise auch ich.
„Geht es Euch gut, Kommandantin?“, fragte Nachtigall, kam auf mich zu und reichte mir ihre Hand, um mir aufzuhelfen.
„Danke. Es geht mir auf jeden Fall besser als dem Oger“, meinte ich und deutete auf das Wesen, das nun ohnmächtig in einer Ecke des Raumes lag.
Mit Hilfe von Nachtigalls Einhorn flogen wir zu Herr Prachtstaffelschwanz hinauf und gingen zum Eingang der Höhle zurück.
„Irgendwie kam mir der Oger bekannt vor“, meinte der Prinz nach einer Weile.
Ich runzelte die Stirn. „Woher denn?“
„Ich glaube, er wird steckbrieflich gesucht. Ich bin mir aber nicht sicher.“
Ich blieb abrupt stehen. „Steckbrieflich gesucht? Nein, nein, nein!“
Augenblicklich lief ich zu dem Loch zurück, durch das man in den Raum des Ogers sehen konnte.
Wie befürchtet waren alle Schätze, die ich gesehen hatte, weg. Und auch der Oger war gerade drauf und dran, zu verschwinden. Und der Grund war nur zu klar.
„Bleibt sofort stehen, Kopfgeldjäger! Im Namen der Heldentruppe befehle ich es Euch!“, schrie ich zu den zwei Frauen herunter, die gerade dabei waren, das Wesen aus der Höhle zu schleppen. Und da war tatsächlich noch ein Mann mit Mütze, der ihnen dabei half.
Fräulein Amethystglanzstar sah zu mir hinauf.
„Ah, das Fräulein Kommandantin. Zu spät, wie immer“, spottete sie und deutete auf den Oger. „Vielen Dank für Eure Hilfe. Wir hätten den Oger zwar auch allein überwältigen können, aber warum sich die Hände schmutzig machen, wenn man Aushilfshelden hat, die sich darum kümmern können?“
Unerhört!
„Wir sind keine Aushilfshelden! Ihr sprecht hier mit einem Oberhaupt dieses Landes! Ihr solltet gefälligst mehr-“
Ich brach ab, als direkt neben meinem Gesicht ein Pfeil vorbei flog.
Wortlos sank ich zu Boden und starrte den Kerl an, der mich um wenige Millimeter verfehlt hatte.
„Anstatt uns mit leeren Worten zu langweilen, solltet Ihr an Eurer Magie feilen. Eure heutige Vorstellung war mehr als peinlich. Beim nächsten Mal werde ich aus Versehen treffen.“
Das war doch wohl...!
Hinter dem Mann tauchte auch noch Fräulein Berghüttensänger auf, die mich frech angrinste.
„Ihr habt Herr Habichtfalke gehört. Der macht keine Scherze“, sagte sich kichernd.
Mittlerweile waren auch Fräulein Nachtigall und Herr Prachtstaffelschwanz wieder bei mir.
„Was ist das denn für ein Vogel?“, fragte der Prinz und deutete auf den Mann mit Mütze.
„Ein unhöflicher, skrupelloser Wahnsinniger ist das!“, brüllte ich ungehalten und warf einen Stein nach den Kopfgeldjägern, den Habichtfalke mit einem weiteren Pfeil einfach abwerte.
Der war beängstigend gut.
„Ich wiederhole mich ungern, Kommandantin. Beim nächsten Mal wird mir ein Versehen passieren“, sagte er, bevor er zusammen mit den beiden Kopfgeldjägerinnen und dem Oger verschwand.
Ich atmete tief ein und aus.
„Warum immer ich? Was habe ich getan?“, jammerte ich und klammerte mich an Fräulein Nachtigall, die meinen Ausbruch über sich ergehen ließ.
Wenn ich diese miesen Kopfgeldjäger in die Finger bekam...! Nachtigall und Prachtstaffelschwanz würden ihnen schon das Fürchten lehren...!
„Gehen wir nach Hause“, schlug Fräulein Nachtigall nach einer Weile vor und ich nickte niedergeschlagen.

Das war eindeutig nicht mein Tag.

Erzählung: Herr Prachtstaffelschwanz

Zufrieden lehnte ich mich zurück und genoss die Ruhe dieses wunderschönen Morgens.
Eine Tasse Tee, frisches Brot mit Käse und die ersten Sonnenstrahlen, die durch das offene Fenster herein fielen... Ein herrlicher Start in den Tag.
»Einen wundervollen guten Morgen wünsche ich Euch«, krähte vom Fenster plötzlich jemand und ich zuckte zusammen.
»Morpheus«, knurrte ich und verengte die Augen. Diesen Hexer bereits morgens zu treffen, hieß meistens nichts Gutes.
Der Kolkrabe flog auf einen Stuhl und nahm dann seine menschliche Gestalt an.
»Was verschafft mir die Ehre Eures Besuches?«, fragte ich und beobachtete Morpheus ganz genau. Ich traute ihm nicht über den Weg.
Der Hexer grinste und eine Spinne krabbelte aus seinem Haar und landete auf meinem Tisch.
Herrlich, konnte er seinen privaten Tierpark nicht bei sich lassen?
»Ihr wisst, wie gern ich der Überbringer schlechter Nachrichten bin«, fing er an, nahm ungefragt meine Teetasse und trank einen Schluck daraus. »Und vor kurzer Zeit ist mir etwas zu Ohren gekommen, das Euch sicherlich brennend interessieren wird.«
Ich runzelte die Stirn. Das klang gefährlich nach Ärger. Nach großem Ärger.
»Dann raus mit der Sprache. In einer halben Stunde ist mein Dienstbeginn«, drängte ich und aß schnell den Rest meines Frühstücks, bevor sich mein Gast auch noch dieses klaute.
Morpheus lehnte sich weit über den Tisch und grinste noch breiter, als zuvor.
»Ihr werdet Euch gewiss darüber freuen, dass der gute Graf Pfau nun der König von Lorberia ist.«
Ich sah den Hexer ungläubig an. »Wie bitte? Das ist doch ein Scherz!«
»Nein, aber amüsant ist es trotzdem, findet Ihr nicht?«
Morpheus lachte schadenfroh und weitere Spinnen krabbelten aus seinem Haar und verteilten sich in meinem Haus.
»Wie um alles in der Welt konnte das passieren? Es gab mehrere Adlige, die einen Anspruch auf den Thron von Lorberia hatten! Was ist mit denen passiert?«, wollte ich wissen.
Der Hexer zuckte mit den Schultern und lachte. »Es gab ein paar Unfälle, bei denen drei der vier möglichen Kandidaten für die Thronfolge ins Gras gebissen haben. Welch seltsamer Zufall, nicht wahr?«
Zufall, natürlich!
»Was ist mit dem vierten?«
»Der letzte Prinz ist seit den Unfällen verschwunden. Und somit hatte der gute Graf Pfau freie Bahn«, antwortete Morpheus und lehnte sich zurück.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Beim Erbauer, wie konnte es von allen Bürgern Lorberias dieser Lackaffe auf den Thron schaffen?«
»Einfluss, gutes Aussehen, Geld«, zählte der Hexer auf und grinste mich an.
Ich seufzte schwer. »Wie schnell so ein schöner Morgen doch zerstört werden kann...«
Morpheus lachte auf. »Es kommt doch noch viel besser. Als vorbildliches Nachbarkönigreich haben Fräulein Taube und Meister Eule bereits eine Feier für den neuen König organisiert. Ich hoffe, Ihr habt heute Abend noch nichts vor.«
Entsetzt starrte ich meinen Gegenüber an und schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. »Natürlich haben sie das. Warum geben wir dem Vogel nicht auch noch gleich unser Königreich mit dazu? Wie kommen die darauf, diesen Dreckskerl einzuladen?«
Wie konnten die zwei das ohne mich bestimmen? Ich hatte hier auch etwas zu sagen!
»Jedes gute Königreich beherrscht die Kunst des Arschkriechens.«
Ich verdrehte die Augen und stand auf. »Ich würde dem Kerl viel lieber in den Arsch treten.«
Morpheus nahm wieder seine Rabengestalt an und flog auf das Fensterbrett.
»Ich habe noch eine wundervolle Neuigkeit für Euch«, fing er an und ich hoffte im Stillen, dass er bald den Schnabel hielt. »Ihr wisst ja sicherlich, dass Ihr bei der heutigen Feier als Oberhaupt des Königreichs anwesend sein müsst, nicht wahr? Eure Uniform dürft Ihr also endlich wieder gegen Euer bezauberndes Kleid eintauschen. Ich wünsche viel Vergnügen mit all den Heuchlern, Schmeichlern und anderen schmierigen Gestalten.«
Das sadistische Lachen des Hexers hallte noch lange in meinen Ohren nach.
Niedergeschlagen lehnte ich mich gegen die Schranktür.
»Der Tag hatte so gut angefangen...«


Genervt stolperte ich den Festsaal und suchte nach Meister Eule.
Der würde von mir jetzt mal eine kräftige Standpauke bekommen! Ein Fest für diesen Graf Pfau zu veranstalten, war doch wirklich der größte Fehler, den man machen konnte!
Ich entdeckte den Elf am Rand des Saals mit einer Gruppe von Magiern. Wahrscheinlich erzählte er seinen Schülern gerade von den ach so bösen Abtrünnigen, Hexen und Hexern.
Zielstrebig und so schnell, wie es mir in meinem Kleid möglich war, ging ich auf den mürrischen Magier zu.
»Meister Eule, ich muss kurz mit Euch sprechen«, sagte ich gespielt freundlich.
Der Elf blickte herablassend auf mich nieder und schnaubte leise.
»Kann das nicht warten, Abtrünnige?«
Ich ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt bloß nicht ausflippen.
»Nein«, knurrte ich nur und entfernte mich dann ein Stück von der Gruppe, in der Hoffnung, dass mir Meister Eule folgen würde.
Tatsächlich bewegte sich der alte Mann nach einer Weile auf mich zu.
»Was ist los?«, fragte er sichtlich genervt und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Das wollte ich Euch fragen«, sagte ich bissig. »Wie um alles in der Welt kommt Ihr dazu, eine Feier für diese falsche Schlange Pfau zu veranstalten, ohne mich zu fragen?«
Meister Eule hob eine Augenbraue. »Erstens solltet Ihr dem neuen Herrscher von Lorberia mehr Respekt entgegenbringen und zweitens wüsste ich nicht, was Eure Meinung an der Entscheidung geändert hätte. Fräulein Taube und ich waren uns einig. Eure Stimme wäre nicht mehr ins Gewicht gefallen.«
Das war doch wirklich die Höhe!
»Dieser Kerl hat die Krone nicht verdient und das wisst selbst Ihr! Mit dieser Feier unterstützt Ihr doch nur sein Verbrechen!«
»Welches Verbrechen? Das Volk hat ihn zum König erwählt.«
Ich verdrehte die Augen. »Nachdem er die wahren Thronfolger beseitigt hat!«
Der Elf winkte ab. »Ich will heute keine Diskussion mit Euch beginnen. Verhaltet Euch zumindest an diesem Abend wie ein normaler Mensch und seht ein, dass Ihr nicht immer recht haben könnt.«
Mit diesen Worten verschwand der alte Mann und ließ mich fuchsteufelswild zurück.
Wie konnten alle hier einfach ignorieren, dass Graf Pfau ein Verbrecher war? Es war so offensichtlich!
Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich mit einen Gast zusammen stieß.
»Entschuldigung«, sagte ich und war schon drauf und dran, zum Buffet zu stiefeln, als ich von der Person zurückgehalten wurde, mit der ich eben zusammen gestoßen war.
»Verzeiht bitte, aber seid Ihr nicht Kommandantin Quetzal?«
Ich nickte. »Ja, das ist richtig.«
Der junge Mann vor mir sah sich kurz nach allen Seiten um und senkte dann die Stimme. »Ich muss mit Euch reden. Unter vier Augen.«
Ich runzelte die Stirn. Das klang sehr verdächtig.
»In Ordnung. Gehen wir auf den Balkon«, schlug ich vor und deutete auf die großen Glastüren vor uns.
Irgendwelche Mordversuche würde er dort wohl nicht starten, denn schließlich konnte man uns durch das Fensterglas immer noch sehen.
Nachdem ich die Türen hinter uns geschlossen hatte, blickte ich erwartungsvoll zu dem Mann vor mir auf.
»Mein Name ist Prachtstaffelschwanz. Ich bin der letzte lebende Thronfolger von Lorberia.«
Ich brauchte einen Moment, um das Gehörte zu verarbeiten.
»Ähm... Okay«, sagte ich erst einmal und überlegte dann, ob das, was er mir gerade gesagt hatte, die Wahrheit sein konnte.
»Glaubt Ihr mir?« fragte Prachtstaffelschwanz und ich zuckte mit den Schultern.
»Ich weiß noch nicht so genau«, gab ich zu. »Wenn es stimmt, was Ihr sagt, warum wird dann da drin diese falsche Schlange als König gefeiert, wenn Ihr einen Anspruch auf den Thron habt?«
Er seufzte schwer. »Hätte ich Anspruch auf den Thron erhoben, hätte ich das gleiche Schicksal erleidet, wie die anderen drei Thronfolger... Mein Glück ist, dass man meine Identität immer geheim gehalten hat und ich mich deshalb relativ frei bewegen kann. Mein Pech ist jedoch, dass man mich genau deswegen auch nicht als Thronfolger erkennen kann. Es gibt keine klaren Beweise dafür, dass ich wirklich ein Prinz bin.«
»Was Eure Geschichte natürlich nicht unbedingt glaubwürdiger macht«, gab ich zu Bedenken und seufzte schwer. »Ihr habt wirklich gar keine Beweise?«
Prachtstaffelschwanz zog einen Ring aus seiner Tasche. »Ich habe das hier.«
»Ein Ring?«, fragte ich und betrachtete das Schmuckstück in seiner Hand. Sehr aussagekräftig wirkte das Ding nicht wirklich.
»Es ist ein Siegelring der königlichen Familie von Lorberia. Es gibt vier Stück davon. Die anderen drei hat Graf Pfau«, erklärte er. »Allerdings ist das kein stichhaltiger Beweis, denn schließlich kann jeder irgendwie in Besitz eines solchen Rings kommen, wenn er nur will. Ich könnte ihn auch gestohlen haben.«
Ich runzelte die Stirn. »Das ist wohl wahr.«
Kurz überlegte ich hin und her, dann lächelte ich Prachtstaffelschwanz munter an. »Ich glaube Euch. Auf meine Intuition konnte ich mich bisher immer verlassen.«
Der Prinz lächelte leicht und verbeugte sich. »Vielen Dank, Fräulein Kommandantin. Ich wusste schon, warum ich mich an Euch wenden wollte. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber wärt Ihr dazu bereit, mir dabei zu helfen, mein Königreich vor diesem Scharlatan zu retten?«
Ich nickte sofort. »Ich helfe jedem gerne, der diesen aufgeblasenen Lackaffen als Scharlatan bezeichnet! Ihr könnt auf mich zählen! Bis wir einen guten Plan haben, könnt Ihr gerne der Heldentruppe beitreten.«
»Das klingt nach einer guten Idee. Ich bin ein geübter Schwertkämpfer. Ich bin mir sicher, ich könnte Euch eine Hilfe sein.«
Unser Gespräch wurde unterbrochen, als Meister Eule auf den Balkon trat.
»Ihr werdet im Saal erwartet, Frau Oberhaupt des Landes. Auch Ihr habt beim Eröffnungstanz dabei zu sein.«
Ich streckte dem alten Mann die Zunge raus, als er sich umdrehte und wieder in den Saal trat.
»Ein netter Zeitgenosse«, meinte der Prinz und lachte leise.
Ich schnaubte nur und rümpfte die Nase. »Oh ja, herzallerliebst ist er.«
Prachtstaffelschwanz beugte sich etwas weiter vor und senkte die Stimme. »Ihr müsst mir bitte versprechen, niemandem von meiner wahren Identität zu erzählen. Ich denke, das ist das Beste für alle.«
Ich nickte verstehend. »Ich werde niemandem etwas von Euch erzählen, versprochen.«
Ich machte eine kurze Pause und blickte zur Terrasse über uns.
»Und Ihr werdet ebenfalls Euren Mund halten, ihr beiden.«
Ich hörte das hämische Kichern der Kolkrabengeschwister, die in ihrer Vogelgestalt auf dem Geländer der oberen Terrasse saßen.
Der Prinz blickte erstaunt nach oben. »Ihr kennt diese... Vögel?«
»Besser, als mir lieb ist, ja«, gestand ich und verschränkte die Arme vor der Brust. »Was macht Ihr hier?«
Die beiden flogen zu uns herunter und nahmen ihre Menschengestalt an.
»Wir wollten uns ein wenig amüsieren. Gegen einen kleinen Tanz ist doch nichts einzuwenden, oder?«, fragte Morpheus und hakte sich beim Prinzen ein, der nicht wirklich wusste, was hier eigentlich geschah. Der Arme. Wenn man diesen Hexer einmal an sich kleben hatte, war es unmöglich, von ihm loszukommen.
Doch ich hatte es selbst nicht besser getroffen, denn an meiner Seite befand sich nun Morgana, die mich zurück in den Saal drängte. Genau das gleiche Schicksal ereilte Prachtstaffelschwanz, der von Morpheus hinein gezogen wurde.
»Ist das im Namenlosen Königreich normal...? Ich meine, dass Männer mit Männern tanzen und Frauen mit Frauen?«
Ich lächelte säuerlich. »Nein, aber gewöhnt Euch trotzdem daran. Morpheus scheint Euch zu mögen. Mein Beileid.«
Der Hexer lachte schadenfroh. »Neidisch, Frau Kommandantin?«
Ich grinste. »Ich bin mit Eurer Schwester bereits bestens bedient. Ein Unglück reicht mir.«
Morgana kicherte und strich mir über die Wange. »Wie nett von Euch. Ich fühle mich geehrt.«
Ich verdrehte die Augen.
»Willkommen in der Heldentruppe, Herr Prachtstaffelschwanz. Langweilig wird es Euch hier sicher nicht«, sagte ich lächelnd, bevor mich Morgana auf die Tanzfläche zog.

Erzählung: Fräulein Nachtigall

„Ich werde es nicht länger dulden, dass diese Verbrecherin - eine ungehobelte und extrem gefährliche Abtrünnige - weiterhin frei herumläuft!“
Ich verdrehte genervt die Augen. Dieser alte Besserwisser ging mir langsam auf die Nerven! Seine ständigen Zurechtweisungen waren ermüdend.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte Meister Eule angriffslustig an. „Ich habe diesem Königreich schon oft einen großen Dienst erwiesen! Nur weil ich Eure stumpfsinnigen Lektionen verpasst habe, bin ich trotzdem dazu in der Lage, mich zu verteidigen!“
Fräulein Taube hob beschwichtigend die Hände und stand auf. „Wir sollten uns nicht streiten. Das führt zu keiner Lösung. Als Oberhäupter dieses Königreichs sollten wir uns nicht in ewigen Streitigkeiten verlieren.“
Ich nickte, war aber keineswegs dazu bereit, nachzugeben.
Ich hatte ein Recht darauf, frei zu sein! Ich brauchte den Zirkel der Magi nicht!
„Wollt Ihr etwa leugnen, dass diese Abtrünnige-“
„Mein Name ist Quetzal!“
„- uns alle ins Chaos stürzt? Sie kann ihre mickrigen Kräfte nicht einmal richtig kontrollieren!“
Das war's! Der Alte bekam jetzt mal etwas von meinen „'mickrigen Kräften' zu spüren, wenn er nochmal so einen Satz heraus haute!
Fräulein Taube nahm meine Hand und lächelte mich an.
„Bitte, Gewalt würde zu gar nichts führen. Ich habe eine bessere Idee“, sagte sie und gab ihrer Dienerin ein Zeichen. Diese verließ den Raum und brachte kurze Zeit später einen Gast herein.
Eine Magierin, das spürte ich sofort. Irgendwie kam sie mir bekannt vor.
„Kommandantin Quetzal, ich möchte Euch eine Schülerin des Zirkels vorstellen. Sie ist eine ausgezeichnete Magierin, wie Meister Eule sicherlich bestätigen kann. Sie wird Euch, wenn Ihr Hilfe benötigt, gewiss zur Seite stehen können.“
Ich musterte Taube eine Weile. „Eine Aufpasserin, nicht wahr? Ihr glaubt auch, dass ich gefährlich bin, richtig?“
Sie wich meinem Blick aus. „Ihr müsst gestehen, dass Eure Fähigkeiten selbst für Euch manchmal... unvorhersehbar sind.“
Ich schnaubte ärgerlich. Bisher hatte ich meine Kräfte immer unter Kontrolle halten können. Natürlich, es hatte ein paar Unfälle gegeben, aber das konnte jedem passieren! Gewiss auch dieser meisterhaften Magierin. Ich blickte kurz zu ihr. Sie kam mir wirklich irgendwie bekannt vor...
Meister Eule trat zu der Magierin.
„Fräulein Taube, meine beste Schülerin zu opfern, um Kontrolle über die Abtrünnige ausüben zu können, erscheint mir eine Verschwendung zu sein. Wir könnten Zeit und Nerven sparen, indem wir sie einfach zu einer Besänftigen machen würden“, meinte der Alte.
Ich verengte die Augen. Natürlich, das war seine Antwort auf alles! Besänftigung!
Die Magierin ergriff nun das Wort, kam ein paar Schritte auf mich zu und reichte mir die Hand.
„Es freut mich, Euch kennenzulernen, Kommandantin. Ich habe schon viel von Euch gehört“, sagte sie und lächelt leicht.
Ich ergriff zögerlich ihre Hand. „Und Ihr seid?“
Mir wollte immer noch nicht einfallen, warum sie mir so bekannt vorkam.
„Fräulein Nachtigall ist mein Name.“
Moment! Nachtigall? Das war doch diese extrem talentierte Magierin, die alle Prüfungen innerhalb von zwei Jahren bestanden hatte, obwohl jeder normale Magier dafür mindestens zehn Jahre brauchte! Hielt man mich wirklich für so gefährlich, dass man gleich die Beste zu mir schicken musste?
„Es ist mir eine Ehre, Euch kennenzulernen“, erwiderte ich etwas irritiert und blickte dann wieder zu Fräulein Taube.
„Fräulein Nachtigall hat sich dazu bereit erklärt, der Heldentruppe beizutreten. Ich hoffe, das ist auch in Eurem Interesse, Kommandantin. Sie wird sicherlich eine Bereicherung für die Truppe sein.“
Ich nickte. Selbstverständlich würde sie das sein! Und mich als Magierin drittklassig dastehen lassen..
Eule und Taube begaben sich zum Ausgang.
„Glaubt nicht, dass diese Sache damit geklärt ist, Abtrünnige. Für mich seid und bleibt Ihr immer eine nichtsnutzige Verbrecherin“, knurrte Meister Eule, bevor er zusammen mit Fräulein Taube den Raum verließ.
Ich streckte ihm noch die Zunge raus und seufzte schwer.
„Dieser Kerl bringt mich noch ins Grab“, murrte ich genervt.
Fräulein Nachtigall lachte leise. „Er ist eigentlich ein netter Kerl“, meinte sie.
„Selbstverständlich. Solange man tut, was er will.“
„Als Magier sollte man auch immer tun, was er will. Es ist zum Schutz aller das Beste.“
Ich unterdrückte ein Seufzen. Jeder, aber wirklich jeder hielt mich für gefährlich!
Ich setzte meinen Hut auf und bedeutete der Magierin, mir zum Ausgang zu folgen.
„Und Ihr wollt den Zirkel wirklich verlassen, um auf mich aufzupassen?“, fragte ich, während wir den Palast verließen.
Nachtigall schüttelte den Kopf. „Ich verlasse den Zirkel, um Mitglied der Heldentruppe zu werden. Außerdem...“
Sie sah sich kurz um. „... kann ich mich so von Meister Eule distanzieren. Er mag ein guter Lehrer sein, aber seine Gesellschaft meide ich privat dann doch lieber.“
Ich grinste breit. „Ihr habt Euch gerade einen Platz in meinem Herzen erobert, Fräulein Nachtigall. Willkommen in der Heldentruppe.“

Einladung.

Als wäre eine Einladung zu einem offiziellen, hochtrabenden Maskenball nicht schon schlimm genug, kommt sie diesmal auch noch vom Mistkäfer persönlich. Ja, Graf Pfau (Ich werde ihn niemals als König ansehen!) hat mich und die gesamte Heldentruppe eingeladen.

Was genau er damit bezwecken will, weiß ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass es eine Katastrophe wird.
Aber natürlich besteht Meister Eule darauf, dass wir hingehen. Es wäre sonst unhöflich, oder so. Ich sollte anfangen, ihm zuzuhören, wenn er etwas sagt.

Ich werde diesen Mistkerl keine Sekunde aus den Augen lassen, wenn wir da sind!
... Wenn ich die Fahrt nach Lorberia überhaupt überlebe. Ich muss mir eine Kutsche mit Fräulein Taube und Meister Eule teilen. -.-
Wir hätten ja auch fliegen können, aber der werte Herr Obermagier muss natürlich den umständlichen Weg wählen.
Mein Hintern tut jetzt schon weh. Und mein Kopf auch.

Auf recht bald!

Kommandantin Quetzal, Stadtwache.

Aufzeichnung vergangener und zukünftiger Heldentaten.

Aufgrund mehrerer Anfragen möchte ich mit diesem Blog von den unzähligen Heldentaten berichten, die unsere Stadtwache/Heldentruppe täglich vollbringt!
Da ich als Kommandantin und Landesoberhaupt jedoch viel zu tun habe, darf nicht zu oft mit neuen Artikeln gerechnet werden.
Jedoch lasse ich es mir nicht nehmen, bei Gelegenheit auch meine Meinung zu aktuellen Geschehnissen in unserem Land nieder zu schreiben. (Und nein, Meister Eule, Ihr könnt mich nicht davon abbringen, Kritik am Zirkel der Magi äußern!)

Auf recht bald!

Kommandantin Quetzal, Stadtwache.
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