16
Apr
2013

Erzählung: Fräulein Amethystglanzstar

Das penetrante Klopfen an meiner Haustür riss mich aus dem Schlaf.
Wer um alles in der Welt störte mich denn bitte um diese Uhrzeit? Anständige Bürger schliefen eigentlich schon längst!
Träge schleppte ich mich zur Tür, öffnete sie allerdings noch nicht.
»Wer ist da?«, fragte ich stattdessen und wartete auf eine Antwort, die nicht lange auf sich warten ließ.
»Fräulein Amethystglanzstar«, kam es von draußen und ich runzelte die Stirn. Was wollte die denn bitte hier?
Sicherlich waren auch die anderen beiden Kopfgeldjäger hier und gleich traf mich ein Pfeil mitten in den Kopf, ganz sicher.
Zögerlich öffnete ich trotz allem die Tür einen Spalt breit.
»Was wollt Ihr hier? Reicht es Euch nicht, mich tagsüber zu belästigen?«
Die Kopfgeldjägerin schmunzelte und fuhr sich durch die Haare. »Was für eine liebevolle Begrüßung. Seid Ihr immer so charmant?«
Ich verengte die Augen. »Es ist mitten in der Nacht und bisher waren unsere Treffen nicht unbedingt von Nächstenliebe und Sympathie geprägt«, erwiderte ich und sah mich draußen um. Kein Habichtfalke in den Bäumen, keine Berghüttensänger in den Büschen.
Amethystglanzstar lächelte leicht. »Ich bin allein hier. Ich muss mit Euch reden.«
Ich traute der Sache nicht.
»Worüber?«, fragte ich und ließ die Frau keine Sekunde aus den Augen.
»Möchtet Ihr mich nicht zuerst hereinbitten?«
»Nein.«
Die Kopfgeldjägerin seufzte und drängelte sich dann einfach in mein Haus, ohne auf meine Proteste zu reagieren.
Das war ja wohl die Höhe!
Sie sah sich kurz um und setzte sich dann ungefragt auf einen Stuhl. »Für ein Oberhaupt des Landes lebt Ihr aber sehr... schlicht«, sagte sie und betrachtete die einfachen Holzmöbel im Raum. »Gewiss könntet Ihr doch auch im Schloss leben, nicht wahr?«
Ich nickte. »Könnte ich, will ich aber nicht.«
Fräulein Amethystglanzstar lachte leise. »Ihr Aushilfshelden und Eure Bescheidenheit.«
Ich schloss lauter als gewollt die Haustür. »Ich bin kein Aushilfsheld!«
»Wenn Ihr das sagt, kleiner Aushilfsheld.«
So eine Frechheit! Was erlaubte die sich eigentlich?
Schlecht gelaunt setzte ich mich zu der Kopfgeldjägerin. »Was wollt Ihr von mir?«
Sie zögerte kurz mit ihrer Antwort. »Ich will wissen, was Ihr über die Meerjungfrau wisst. Und zwar alles.«
Verwirrt kratzte ich mich am Hinterkopf. »Welche Meerjungfrau?«
Amethystglanzstar schlug wütend auf den Tisch. »Stellt Euch nicht dumm! Ihr wisst genau, wovon ich spreche!«
»Ich habe wirklich keine Ahnung, was Ihr meint, ehrlich«, beteuerte ich und hob beschwichtigend die Hände. »Ich kenne keine Meerjungfrauen.«
»Lügt mich nicht an! Auf der Spitze des Turms, nachdem Ihr den Drachen getötet habt, habt Ihr die Meerjungfrau erwähnt!«
Jetzt wusste ich endlich, was sie meinte. »Tut mir ja echt leid«, fing ich an und zuckte mit den Schultern. »aber was ich als Schattenwesen gesagt und gemacht habe... darüber hatte ich keine Gewalt und ich kann mich auch an gar nichts mehr erinnern.«
Sie schien von dieser Antwort nicht unbedingt angetan zu sein.
Aufgebracht stand sie auf und packte mich am Kragen. »Dann verwandelt Euch gefälligst, damit ich mit dem Schattenwesen sprechen kann! Ich muss wissen, was es weiß!«
Entsetzt riss ich mich von der Kopfgeldjägerin los. »Auf keinen Fall! Das ist viel zu gefährlich! Ich darf mich nur verwandeln, wenn ich gegen einen extrem starken Gegner kämpfen muss. Außerdem würde Euch der Schatten ohnehin nichts verraten, sondern Euch sofort umbringen!«, erklärte ich und trat ein paar Schritte zurück.
Amethystglanzstar überlegte eine Weile und sah dann wieder zu mir. »Dann nehmt mich und meine Gefährten in die Heldentruppe auf«, forderte sie. »Irgendwann müsst Ihr Euch verwandeln und dann werde ich da sein.«
Sprachlos starrte ich sie an. Hatte sie gerade wirklich gefragt, was ich gehört hatte?
»Warum um alles in der Welt sollte ich das tun?«, fragte ich wenig überzeugt.
Die Kopfgeldjägerin grinste. »Weil wir eine Bereicherung für Eure Gruppe von Aushilfshelden wären und das wisst Ihr auch.«
Ich runzelte die Stirn. »Ich soll also diejenigen aufnehmen, die mich verbrennen lassen wollten, um Geld dafür zu bekommen? Klar, klingt absolut nachvollziehbar.«
Sie winkte ab. »Das ist doch Schnee von gestern«, versicherte sie, doch ich glaubte nicht daran.
»Nachtigall hat mir erzählt, dass Euer Freund mir direkt in den Kopf geschossen hat, als ich ein Schatten war. Meine Begeisterung hält sich also nach wie vor in Grenzen.«
Eine Weile sagte Amethystglanzstar gar nichts und blickte zu Boden. Vielleicht hat sie jetzt endlich aufgegeben.
Als ich jedoch ein Schluchzen hörte, stieg Panik in mir auf. Nein, sie konnte jetzt nicht allen ernstes anfangen zu weinen!
Meine Befürchtung bestätigte sich, als die Kopfgeldjägerin wieder zu mir aufsah. Ihre Augen waren mit Tränen gefüllt. »Bitte, Ihr müsst mir helfen. Ihr seid scheinbar die Einzige, die mehr über die Meerjungfrau weiß.«
Das konnte doch nicht wahr sein...
»S-schon gut! Ich werde Euch morgen im Schloss vorsprechen lassen! Aber bitte nicht weinen!«, ließ ich mich schließlich breit schlagen.
»Versprochen...?«, wollte sich Amethystglanzstar versichern und ich nickte.
»Ja, versprochen.«
Nur eine Sekunde später begann sie wieder zu lächeln, als wäre nie etwas gewesen.
»Gut, dann sehen wir uns morgen, Aushilfsheldin«, sagte sie keck und verließ dann einfach mein Haus.
Ich ließ den Kopf hängen. »Warum falle ich immer wieder auf so etwas herein? Immer wieder...«
Morpheus Kolkrabe - 16. Apr, 19:53

Zu einfach

Dass man euch so einfach beeinflussen kann, ist wirklich traurig, Kommandantin. Meine Schwester sollte sich das merken. >:D

Kommandantin Quetzal - 17. Apr, 19:58

>_>

Eure Schwester hat andere Methoden... >_>
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Kommandantin Quetzal - 17. Apr, 19:57
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Kommandantin Quetzal - 16. Apr, 20:30
o_O
Erspart mir die Einzelheiten...
Kommandantin Quetzal - 16. Apr, 20:29

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