Erzählung: Herr Prachtstaffelschwanz
Zufrieden lehnte ich mich zurück und genoss die Ruhe dieses wunderschönen Morgens.
Eine Tasse Tee, frisches Brot mit Käse und die ersten Sonnenstrahlen, die durch das offene Fenster herein fielen... Ein herrlicher Start in den Tag.
»Einen wundervollen guten Morgen wünsche ich Euch«, krähte vom Fenster plötzlich jemand und ich zuckte zusammen.
»Morpheus«, knurrte ich und verengte die Augen. Diesen Hexer bereits morgens zu treffen, hieß meistens nichts Gutes.
Der Kolkrabe flog auf einen Stuhl und nahm dann seine menschliche Gestalt an.
»Was verschafft mir die Ehre Eures Besuches?«, fragte ich und beobachtete Morpheus ganz genau. Ich traute ihm nicht über den Weg.
Der Hexer grinste und eine Spinne krabbelte aus seinem Haar und landete auf meinem Tisch.
Herrlich, konnte er seinen privaten Tierpark nicht bei sich lassen?
»Ihr wisst, wie gern ich der Überbringer schlechter Nachrichten bin«, fing er an, nahm ungefragt meine Teetasse und trank einen Schluck daraus. »Und vor kurzer Zeit ist mir etwas zu Ohren gekommen, das Euch sicherlich brennend interessieren wird.«
Ich runzelte die Stirn. Das klang gefährlich nach Ärger. Nach großem Ärger.
»Dann raus mit der Sprache. In einer halben Stunde ist mein Dienstbeginn«, drängte ich und aß schnell den Rest meines Frühstücks, bevor sich mein Gast auch noch dieses klaute.
Morpheus lehnte sich weit über den Tisch und grinste noch breiter, als zuvor.
»Ihr werdet Euch gewiss darüber freuen, dass der gute Graf Pfau nun der König von Lorberia ist.«
Ich sah den Hexer ungläubig an. »Wie bitte? Das ist doch ein Scherz!«
»Nein, aber amüsant ist es trotzdem, findet Ihr nicht?«
Morpheus lachte schadenfroh und weitere Spinnen krabbelten aus seinem Haar und verteilten sich in meinem Haus.
»Wie um alles in der Welt konnte das passieren? Es gab mehrere Adlige, die einen Anspruch auf den Thron von Lorberia hatten! Was ist mit denen passiert?«, wollte ich wissen.
Der Hexer zuckte mit den Schultern und lachte. »Es gab ein paar Unfälle, bei denen drei der vier möglichen Kandidaten für die Thronfolge ins Gras gebissen haben. Welch seltsamer Zufall, nicht wahr?«
Zufall, natürlich!
»Was ist mit dem vierten?«
»Der letzte Prinz ist seit den Unfällen verschwunden. Und somit hatte der gute Graf Pfau freie Bahn«, antwortete Morpheus und lehnte sich zurück.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Beim Erbauer, wie konnte es von allen Bürgern Lorberias dieser Lackaffe auf den Thron schaffen?«
»Einfluss, gutes Aussehen, Geld«, zählte der Hexer auf und grinste mich an.
Ich seufzte schwer. »Wie schnell so ein schöner Morgen doch zerstört werden kann...«
Morpheus lachte auf. »Es kommt doch noch viel besser. Als vorbildliches Nachbarkönigreich haben Fräulein Taube und Meister Eule bereits eine Feier für den neuen König organisiert. Ich hoffe, Ihr habt heute Abend noch nichts vor.«
Entsetzt starrte ich meinen Gegenüber an und schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. »Natürlich haben sie das. Warum geben wir dem Vogel nicht auch noch gleich unser Königreich mit dazu? Wie kommen die darauf, diesen Dreckskerl einzuladen?«
Wie konnten die zwei das ohne mich bestimmen? Ich hatte hier auch etwas zu sagen!
»Jedes gute Königreich beherrscht die Kunst des Arschkriechens.«
Ich verdrehte die Augen und stand auf. »Ich würde dem Kerl viel lieber in den Arsch treten.«
Morpheus nahm wieder seine Rabengestalt an und flog auf das Fensterbrett.
»Ich habe noch eine wundervolle Neuigkeit für Euch«, fing er an und ich hoffte im Stillen, dass er bald den Schnabel hielt. »Ihr wisst ja sicherlich, dass Ihr bei der heutigen Feier als Oberhaupt des Königreichs anwesend sein müsst, nicht wahr? Eure Uniform dürft Ihr also endlich wieder gegen Euer bezauberndes Kleid eintauschen. Ich wünsche viel Vergnügen mit all den Heuchlern, Schmeichlern und anderen schmierigen Gestalten.«
Das sadistische Lachen des Hexers hallte noch lange in meinen Ohren nach.
Niedergeschlagen lehnte ich mich gegen die Schranktür.
»Der Tag hatte so gut angefangen...«
Genervt stolperte ich den Festsaal und suchte nach Meister Eule.
Der würde von mir jetzt mal eine kräftige Standpauke bekommen! Ein Fest für diesen Graf Pfau zu veranstalten, war doch wirklich der größte Fehler, den man machen konnte!
Ich entdeckte den Elf am Rand des Saals mit einer Gruppe von Magiern. Wahrscheinlich erzählte er seinen Schülern gerade von den ach so bösen Abtrünnigen, Hexen und Hexern.
Zielstrebig und so schnell, wie es mir in meinem Kleid möglich war, ging ich auf den mürrischen Magier zu.
»Meister Eule, ich muss kurz mit Euch sprechen«, sagte ich gespielt freundlich.
Der Elf blickte herablassend auf mich nieder und schnaubte leise.
»Kann das nicht warten, Abtrünnige?«
Ich ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt bloß nicht ausflippen.
»Nein«, knurrte ich nur und entfernte mich dann ein Stück von der Gruppe, in der Hoffnung, dass mir Meister Eule folgen würde.
Tatsächlich bewegte sich der alte Mann nach einer Weile auf mich zu.
»Was ist los?«, fragte er sichtlich genervt und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Das wollte ich Euch fragen«, sagte ich bissig. »Wie um alles in der Welt kommt Ihr dazu, eine Feier für diese falsche Schlange Pfau zu veranstalten, ohne mich zu fragen?«
Meister Eule hob eine Augenbraue. »Erstens solltet Ihr dem neuen Herrscher von Lorberia mehr Respekt entgegenbringen und zweitens wüsste ich nicht, was Eure Meinung an der Entscheidung geändert hätte. Fräulein Taube und ich waren uns einig. Eure Stimme wäre nicht mehr ins Gewicht gefallen.«
Das war doch wirklich die Höhe!
»Dieser Kerl hat die Krone nicht verdient und das wisst selbst Ihr! Mit dieser Feier unterstützt Ihr doch nur sein Verbrechen!«
»Welches Verbrechen? Das Volk hat ihn zum König erwählt.«
Ich verdrehte die Augen. »Nachdem er die wahren Thronfolger beseitigt hat!«
Der Elf winkte ab. »Ich will heute keine Diskussion mit Euch beginnen. Verhaltet Euch zumindest an diesem Abend wie ein normaler Mensch und seht ein, dass Ihr nicht immer recht haben könnt.«
Mit diesen Worten verschwand der alte Mann und ließ mich fuchsteufelswild zurück.
Wie konnten alle hier einfach ignorieren, dass Graf Pfau ein Verbrecher war? Es war so offensichtlich!
Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich mit einen Gast zusammen stieß.
»Entschuldigung«, sagte ich und war schon drauf und dran, zum Buffet zu stiefeln, als ich von der Person zurückgehalten wurde, mit der ich eben zusammen gestoßen war.
»Verzeiht bitte, aber seid Ihr nicht Kommandantin Quetzal?«
Ich nickte. »Ja, das ist richtig.«
Der junge Mann vor mir sah sich kurz nach allen Seiten um und senkte dann die Stimme. »Ich muss mit Euch reden. Unter vier Augen.«
Ich runzelte die Stirn. Das klang sehr verdächtig.
»In Ordnung. Gehen wir auf den Balkon«, schlug ich vor und deutete auf die großen Glastüren vor uns.
Irgendwelche Mordversuche würde er dort wohl nicht starten, denn schließlich konnte man uns durch das Fensterglas immer noch sehen.
Nachdem ich die Türen hinter uns geschlossen hatte, blickte ich erwartungsvoll zu dem Mann vor mir auf.
»Mein Name ist Prachtstaffelschwanz. Ich bin der letzte lebende Thronfolger von Lorberia.«
Ich brauchte einen Moment, um das Gehörte zu verarbeiten.
»Ähm... Okay«, sagte ich erst einmal und überlegte dann, ob das, was er mir gerade gesagt hatte, die Wahrheit sein konnte.
»Glaubt Ihr mir?« fragte Prachtstaffelschwanz und ich zuckte mit den Schultern.
»Ich weiß noch nicht so genau«, gab ich zu. »Wenn es stimmt, was Ihr sagt, warum wird dann da drin diese falsche Schlange als König gefeiert, wenn Ihr einen Anspruch auf den Thron habt?«
Er seufzte schwer. »Hätte ich Anspruch auf den Thron erhoben, hätte ich das gleiche Schicksal erleidet, wie die anderen drei Thronfolger... Mein Glück ist, dass man meine Identität immer geheim gehalten hat und ich mich deshalb relativ frei bewegen kann. Mein Pech ist jedoch, dass man mich genau deswegen auch nicht als Thronfolger erkennen kann. Es gibt keine klaren Beweise dafür, dass ich wirklich ein Prinz bin.«
»Was Eure Geschichte natürlich nicht unbedingt glaubwürdiger macht«, gab ich zu Bedenken und seufzte schwer. »Ihr habt wirklich gar keine Beweise?«
Prachtstaffelschwanz zog einen Ring aus seiner Tasche. »Ich habe das hier.«
»Ein Ring?«, fragte ich und betrachtete das Schmuckstück in seiner Hand. Sehr aussagekräftig wirkte das Ding nicht wirklich.
»Es ist ein Siegelring der königlichen Familie von Lorberia. Es gibt vier Stück davon. Die anderen drei hat Graf Pfau«, erklärte er. »Allerdings ist das kein stichhaltiger Beweis, denn schließlich kann jeder irgendwie in Besitz eines solchen Rings kommen, wenn er nur will. Ich könnte ihn auch gestohlen haben.«
Ich runzelte die Stirn. »Das ist wohl wahr.«
Kurz überlegte ich hin und her, dann lächelte ich Prachtstaffelschwanz munter an. »Ich glaube Euch. Auf meine Intuition konnte ich mich bisher immer verlassen.«
Der Prinz lächelte leicht und verbeugte sich. »Vielen Dank, Fräulein Kommandantin. Ich wusste schon, warum ich mich an Euch wenden wollte. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber wärt Ihr dazu bereit, mir dabei zu helfen, mein Königreich vor diesem Scharlatan zu retten?«
Ich nickte sofort. »Ich helfe jedem gerne, der diesen aufgeblasenen Lackaffen als Scharlatan bezeichnet! Ihr könnt auf mich zählen! Bis wir einen guten Plan haben, könnt Ihr gerne der Heldentruppe beitreten.«
»Das klingt nach einer guten Idee. Ich bin ein geübter Schwertkämpfer. Ich bin mir sicher, ich könnte Euch eine Hilfe sein.«
Unser Gespräch wurde unterbrochen, als Meister Eule auf den Balkon trat.
»Ihr werdet im Saal erwartet, Frau Oberhaupt des Landes. Auch Ihr habt beim Eröffnungstanz dabei zu sein.«
Ich streckte dem alten Mann die Zunge raus, als er sich umdrehte und wieder in den Saal trat.
»Ein netter Zeitgenosse«, meinte der Prinz und lachte leise.
Ich schnaubte nur und rümpfte die Nase. »Oh ja, herzallerliebst ist er.«
Prachtstaffelschwanz beugte sich etwas weiter vor und senkte die Stimme. »Ihr müsst mir bitte versprechen, niemandem von meiner wahren Identität zu erzählen. Ich denke, das ist das Beste für alle.«
Ich nickte verstehend. »Ich werde niemandem etwas von Euch erzählen, versprochen.«
Ich machte eine kurze Pause und blickte zur Terrasse über uns.
»Und Ihr werdet ebenfalls Euren Mund halten, ihr beiden.«
Ich hörte das hämische Kichern der Kolkrabengeschwister, die in ihrer Vogelgestalt auf dem Geländer der oberen Terrasse saßen.
Der Prinz blickte erstaunt nach oben. »Ihr kennt diese... Vögel?«
»Besser, als mir lieb ist, ja«, gestand ich und verschränkte die Arme vor der Brust. »Was macht Ihr hier?«
Die beiden flogen zu uns herunter und nahmen ihre Menschengestalt an.
»Wir wollten uns ein wenig amüsieren. Gegen einen kleinen Tanz ist doch nichts einzuwenden, oder?«, fragte Morpheus und hakte sich beim Prinzen ein, der nicht wirklich wusste, was hier eigentlich geschah. Der Arme. Wenn man diesen Hexer einmal an sich kleben hatte, war es unmöglich, von ihm loszukommen.
Doch ich hatte es selbst nicht besser getroffen, denn an meiner Seite befand sich nun Morgana, die mich zurück in den Saal drängte. Genau das gleiche Schicksal ereilte Prachtstaffelschwanz, der von Morpheus hinein gezogen wurde.
»Ist das im Namenlosen Königreich normal...? Ich meine, dass Männer mit Männern tanzen und Frauen mit Frauen?«
Ich lächelte säuerlich. »Nein, aber gewöhnt Euch trotzdem daran. Morpheus scheint Euch zu mögen. Mein Beileid.«
Der Hexer lachte schadenfroh. »Neidisch, Frau Kommandantin?«
Ich grinste. »Ich bin mit Eurer Schwester bereits bestens bedient. Ein Unglück reicht mir.«
Morgana kicherte und strich mir über die Wange. »Wie nett von Euch. Ich fühle mich geehrt.«
Ich verdrehte die Augen.
»Willkommen in der Heldentruppe, Herr Prachtstaffelschwanz. Langweilig wird es Euch hier sicher nicht«, sagte ich lächelnd, bevor mich Morgana auf die Tanzfläche zog.
Eine Tasse Tee, frisches Brot mit Käse und die ersten Sonnenstrahlen, die durch das offene Fenster herein fielen... Ein herrlicher Start in den Tag.
»Einen wundervollen guten Morgen wünsche ich Euch«, krähte vom Fenster plötzlich jemand und ich zuckte zusammen.
»Morpheus«, knurrte ich und verengte die Augen. Diesen Hexer bereits morgens zu treffen, hieß meistens nichts Gutes.
Der Kolkrabe flog auf einen Stuhl und nahm dann seine menschliche Gestalt an.
»Was verschafft mir die Ehre Eures Besuches?«, fragte ich und beobachtete Morpheus ganz genau. Ich traute ihm nicht über den Weg.
Der Hexer grinste und eine Spinne krabbelte aus seinem Haar und landete auf meinem Tisch.
Herrlich, konnte er seinen privaten Tierpark nicht bei sich lassen?
»Ihr wisst, wie gern ich der Überbringer schlechter Nachrichten bin«, fing er an, nahm ungefragt meine Teetasse und trank einen Schluck daraus. »Und vor kurzer Zeit ist mir etwas zu Ohren gekommen, das Euch sicherlich brennend interessieren wird.«
Ich runzelte die Stirn. Das klang gefährlich nach Ärger. Nach großem Ärger.
»Dann raus mit der Sprache. In einer halben Stunde ist mein Dienstbeginn«, drängte ich und aß schnell den Rest meines Frühstücks, bevor sich mein Gast auch noch dieses klaute.
Morpheus lehnte sich weit über den Tisch und grinste noch breiter, als zuvor.
»Ihr werdet Euch gewiss darüber freuen, dass der gute Graf Pfau nun der König von Lorberia ist.«
Ich sah den Hexer ungläubig an. »Wie bitte? Das ist doch ein Scherz!«
»Nein, aber amüsant ist es trotzdem, findet Ihr nicht?«
Morpheus lachte schadenfroh und weitere Spinnen krabbelten aus seinem Haar und verteilten sich in meinem Haus.
»Wie um alles in der Welt konnte das passieren? Es gab mehrere Adlige, die einen Anspruch auf den Thron von Lorberia hatten! Was ist mit denen passiert?«, wollte ich wissen.
Der Hexer zuckte mit den Schultern und lachte. »Es gab ein paar Unfälle, bei denen drei der vier möglichen Kandidaten für die Thronfolge ins Gras gebissen haben. Welch seltsamer Zufall, nicht wahr?«
Zufall, natürlich!
»Was ist mit dem vierten?«
»Der letzte Prinz ist seit den Unfällen verschwunden. Und somit hatte der gute Graf Pfau freie Bahn«, antwortete Morpheus und lehnte sich zurück.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Beim Erbauer, wie konnte es von allen Bürgern Lorberias dieser Lackaffe auf den Thron schaffen?«
»Einfluss, gutes Aussehen, Geld«, zählte der Hexer auf und grinste mich an.
Ich seufzte schwer. »Wie schnell so ein schöner Morgen doch zerstört werden kann...«
Morpheus lachte auf. »Es kommt doch noch viel besser. Als vorbildliches Nachbarkönigreich haben Fräulein Taube und Meister Eule bereits eine Feier für den neuen König organisiert. Ich hoffe, Ihr habt heute Abend noch nichts vor.«
Entsetzt starrte ich meinen Gegenüber an und schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. »Natürlich haben sie das. Warum geben wir dem Vogel nicht auch noch gleich unser Königreich mit dazu? Wie kommen die darauf, diesen Dreckskerl einzuladen?«
Wie konnten die zwei das ohne mich bestimmen? Ich hatte hier auch etwas zu sagen!
»Jedes gute Königreich beherrscht die Kunst des Arschkriechens.«
Ich verdrehte die Augen und stand auf. »Ich würde dem Kerl viel lieber in den Arsch treten.«
Morpheus nahm wieder seine Rabengestalt an und flog auf das Fensterbrett.
»Ich habe noch eine wundervolle Neuigkeit für Euch«, fing er an und ich hoffte im Stillen, dass er bald den Schnabel hielt. »Ihr wisst ja sicherlich, dass Ihr bei der heutigen Feier als Oberhaupt des Königreichs anwesend sein müsst, nicht wahr? Eure Uniform dürft Ihr also endlich wieder gegen Euer bezauberndes Kleid eintauschen. Ich wünsche viel Vergnügen mit all den Heuchlern, Schmeichlern und anderen schmierigen Gestalten.«
Das sadistische Lachen des Hexers hallte noch lange in meinen Ohren nach.
Niedergeschlagen lehnte ich mich gegen die Schranktür.
»Der Tag hatte so gut angefangen...«
Genervt stolperte ich den Festsaal und suchte nach Meister Eule.
Der würde von mir jetzt mal eine kräftige Standpauke bekommen! Ein Fest für diesen Graf Pfau zu veranstalten, war doch wirklich der größte Fehler, den man machen konnte!
Ich entdeckte den Elf am Rand des Saals mit einer Gruppe von Magiern. Wahrscheinlich erzählte er seinen Schülern gerade von den ach so bösen Abtrünnigen, Hexen und Hexern.
Zielstrebig und so schnell, wie es mir in meinem Kleid möglich war, ging ich auf den mürrischen Magier zu.
»Meister Eule, ich muss kurz mit Euch sprechen«, sagte ich gespielt freundlich.
Der Elf blickte herablassend auf mich nieder und schnaubte leise.
»Kann das nicht warten, Abtrünnige?«
Ich ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt bloß nicht ausflippen.
»Nein«, knurrte ich nur und entfernte mich dann ein Stück von der Gruppe, in der Hoffnung, dass mir Meister Eule folgen würde.
Tatsächlich bewegte sich der alte Mann nach einer Weile auf mich zu.
»Was ist los?«, fragte er sichtlich genervt und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Das wollte ich Euch fragen«, sagte ich bissig. »Wie um alles in der Welt kommt Ihr dazu, eine Feier für diese falsche Schlange Pfau zu veranstalten, ohne mich zu fragen?«
Meister Eule hob eine Augenbraue. »Erstens solltet Ihr dem neuen Herrscher von Lorberia mehr Respekt entgegenbringen und zweitens wüsste ich nicht, was Eure Meinung an der Entscheidung geändert hätte. Fräulein Taube und ich waren uns einig. Eure Stimme wäre nicht mehr ins Gewicht gefallen.«
Das war doch wirklich die Höhe!
»Dieser Kerl hat die Krone nicht verdient und das wisst selbst Ihr! Mit dieser Feier unterstützt Ihr doch nur sein Verbrechen!«
»Welches Verbrechen? Das Volk hat ihn zum König erwählt.«
Ich verdrehte die Augen. »Nachdem er die wahren Thronfolger beseitigt hat!«
Der Elf winkte ab. »Ich will heute keine Diskussion mit Euch beginnen. Verhaltet Euch zumindest an diesem Abend wie ein normaler Mensch und seht ein, dass Ihr nicht immer recht haben könnt.«
Mit diesen Worten verschwand der alte Mann und ließ mich fuchsteufelswild zurück.
Wie konnten alle hier einfach ignorieren, dass Graf Pfau ein Verbrecher war? Es war so offensichtlich!
Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich mit einen Gast zusammen stieß.
»Entschuldigung«, sagte ich und war schon drauf und dran, zum Buffet zu stiefeln, als ich von der Person zurückgehalten wurde, mit der ich eben zusammen gestoßen war.
»Verzeiht bitte, aber seid Ihr nicht Kommandantin Quetzal?«
Ich nickte. »Ja, das ist richtig.«
Der junge Mann vor mir sah sich kurz nach allen Seiten um und senkte dann die Stimme. »Ich muss mit Euch reden. Unter vier Augen.«
Ich runzelte die Stirn. Das klang sehr verdächtig.
»In Ordnung. Gehen wir auf den Balkon«, schlug ich vor und deutete auf die großen Glastüren vor uns.
Irgendwelche Mordversuche würde er dort wohl nicht starten, denn schließlich konnte man uns durch das Fensterglas immer noch sehen.
Nachdem ich die Türen hinter uns geschlossen hatte, blickte ich erwartungsvoll zu dem Mann vor mir auf.
»Mein Name ist Prachtstaffelschwanz. Ich bin der letzte lebende Thronfolger von Lorberia.«
Ich brauchte einen Moment, um das Gehörte zu verarbeiten.
»Ähm... Okay«, sagte ich erst einmal und überlegte dann, ob das, was er mir gerade gesagt hatte, die Wahrheit sein konnte.
»Glaubt Ihr mir?« fragte Prachtstaffelschwanz und ich zuckte mit den Schultern.
»Ich weiß noch nicht so genau«, gab ich zu. »Wenn es stimmt, was Ihr sagt, warum wird dann da drin diese falsche Schlange als König gefeiert, wenn Ihr einen Anspruch auf den Thron habt?«
Er seufzte schwer. »Hätte ich Anspruch auf den Thron erhoben, hätte ich das gleiche Schicksal erleidet, wie die anderen drei Thronfolger... Mein Glück ist, dass man meine Identität immer geheim gehalten hat und ich mich deshalb relativ frei bewegen kann. Mein Pech ist jedoch, dass man mich genau deswegen auch nicht als Thronfolger erkennen kann. Es gibt keine klaren Beweise dafür, dass ich wirklich ein Prinz bin.«
»Was Eure Geschichte natürlich nicht unbedingt glaubwürdiger macht«, gab ich zu Bedenken und seufzte schwer. »Ihr habt wirklich gar keine Beweise?«
Prachtstaffelschwanz zog einen Ring aus seiner Tasche. »Ich habe das hier.«
»Ein Ring?«, fragte ich und betrachtete das Schmuckstück in seiner Hand. Sehr aussagekräftig wirkte das Ding nicht wirklich.
»Es ist ein Siegelring der königlichen Familie von Lorberia. Es gibt vier Stück davon. Die anderen drei hat Graf Pfau«, erklärte er. »Allerdings ist das kein stichhaltiger Beweis, denn schließlich kann jeder irgendwie in Besitz eines solchen Rings kommen, wenn er nur will. Ich könnte ihn auch gestohlen haben.«
Ich runzelte die Stirn. »Das ist wohl wahr.«
Kurz überlegte ich hin und her, dann lächelte ich Prachtstaffelschwanz munter an. »Ich glaube Euch. Auf meine Intuition konnte ich mich bisher immer verlassen.«
Der Prinz lächelte leicht und verbeugte sich. »Vielen Dank, Fräulein Kommandantin. Ich wusste schon, warum ich mich an Euch wenden wollte. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber wärt Ihr dazu bereit, mir dabei zu helfen, mein Königreich vor diesem Scharlatan zu retten?«
Ich nickte sofort. »Ich helfe jedem gerne, der diesen aufgeblasenen Lackaffen als Scharlatan bezeichnet! Ihr könnt auf mich zählen! Bis wir einen guten Plan haben, könnt Ihr gerne der Heldentruppe beitreten.«
»Das klingt nach einer guten Idee. Ich bin ein geübter Schwertkämpfer. Ich bin mir sicher, ich könnte Euch eine Hilfe sein.«
Unser Gespräch wurde unterbrochen, als Meister Eule auf den Balkon trat.
»Ihr werdet im Saal erwartet, Frau Oberhaupt des Landes. Auch Ihr habt beim Eröffnungstanz dabei zu sein.«
Ich streckte dem alten Mann die Zunge raus, als er sich umdrehte und wieder in den Saal trat.
»Ein netter Zeitgenosse«, meinte der Prinz und lachte leise.
Ich schnaubte nur und rümpfte die Nase. »Oh ja, herzallerliebst ist er.«
Prachtstaffelschwanz beugte sich etwas weiter vor und senkte die Stimme. »Ihr müsst mir bitte versprechen, niemandem von meiner wahren Identität zu erzählen. Ich denke, das ist das Beste für alle.«
Ich nickte verstehend. »Ich werde niemandem etwas von Euch erzählen, versprochen.«
Ich machte eine kurze Pause und blickte zur Terrasse über uns.
»Und Ihr werdet ebenfalls Euren Mund halten, ihr beiden.«
Ich hörte das hämische Kichern der Kolkrabengeschwister, die in ihrer Vogelgestalt auf dem Geländer der oberen Terrasse saßen.
Der Prinz blickte erstaunt nach oben. »Ihr kennt diese... Vögel?«
»Besser, als mir lieb ist, ja«, gestand ich und verschränkte die Arme vor der Brust. »Was macht Ihr hier?«
Die beiden flogen zu uns herunter und nahmen ihre Menschengestalt an.
»Wir wollten uns ein wenig amüsieren. Gegen einen kleinen Tanz ist doch nichts einzuwenden, oder?«, fragte Morpheus und hakte sich beim Prinzen ein, der nicht wirklich wusste, was hier eigentlich geschah. Der Arme. Wenn man diesen Hexer einmal an sich kleben hatte, war es unmöglich, von ihm loszukommen.
Doch ich hatte es selbst nicht besser getroffen, denn an meiner Seite befand sich nun Morgana, die mich zurück in den Saal drängte. Genau das gleiche Schicksal ereilte Prachtstaffelschwanz, der von Morpheus hinein gezogen wurde.
»Ist das im Namenlosen Königreich normal...? Ich meine, dass Männer mit Männern tanzen und Frauen mit Frauen?«
Ich lächelte säuerlich. »Nein, aber gewöhnt Euch trotzdem daran. Morpheus scheint Euch zu mögen. Mein Beileid.«
Der Hexer lachte schadenfroh. »Neidisch, Frau Kommandantin?«
Ich grinste. »Ich bin mit Eurer Schwester bereits bestens bedient. Ein Unglück reicht mir.«
Morgana kicherte und strich mir über die Wange. »Wie nett von Euch. Ich fühle mich geehrt.«
Ich verdrehte die Augen.
»Willkommen in der Heldentruppe, Herr Prachtstaffelschwanz. Langweilig wird es Euch hier sicher nicht«, sagte ich lächelnd, bevor mich Morgana auf die Tanzfläche zog.
Kommandantin Quetzal - 16. Apr, 19:03

königlich
... Beim nächsten Mal werde ich ihn führen. ... Daran wird er sich dann noch lange erinnern. >:D
Beileid.